Anjin-Do

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Dienstag, 22. Juli 2008

"Nicht töten"


Liebe Weggefährten und Freunde,

das erste Sila heißt: „Ich will mich bemühen, keinem Wesen zu schaden oder es zu töten!“

eine der hervorstechensten Merkmale des Buddhismus ist sicher seine Haltung zur Gewaltlosigkeit. Das Wissen um die Verbundenheit mit allen fühlenden Wesen ist der Ursprung dieser Haltung. Gemäß dem Gesetz von Ursache und Wirkung, sind wir seit anfangsloser Zeit eng miteinander verbunden und unsere unzähligen Leben bedingten sich gegenseitig. Im Brahmajala Sutra heißt es: „Ein Schüler des Buddha sollte den Geist des Mitgefühls haben und die Praxis kultivieren alle fühlenden Wesen zu befreien. Er sollte bedenken, dass, durch unzählige Weltzeitalter, alle männlichen Wesen einmal mein Vater waren und das alle weiblichen Wesen einmal meine Mutter waren. Aus Ihnen wurde ich geboren…“
Shinran Shonin sagte hierzu ebenfalls, frei übersetzt: „In meiner Reise durch die unzähligen Leben und in vielen Stadien der Existenz, waren alle fühlenden Wesen, ohne Ausnahme, einmal meine Eltern und Brüder und Schwestern.“
Aus dieser Einsicht heraus, hat uns der Buddha dringend empfohlen, dass Gebot der Gewaltlosigkeit und der Friedfertigkeit zu befolgen. Denn, würde jemand ernsthaft seine Eltern oder Geschwister töten wollen oder Ihnen ernsthaft schaden wollen? Darüber hinaus können wir davon ausgehen, dass es nicht nur familiäre Bindungen sind, die uns seit anfangloser Zeit verbinden. Ebenso kann man aus den vorhergehenden Aussagen schließen, dass ein jedes fühlendes Wesen einmal mein Kind, mein Partner, meine Ehefrau oder Freund gewesen ist. Egal welche Konstellation wir uns vorstellen können, im Laufe unserer Existenzen waren wir alle einmal mehr oder weniger eng verbunden und so ist es schon fast absurd, daran zu denken, einem fühlenden Wesen Schaden zu zufügen zu wollen.
Aber die Problematik ist viel weit reichender. Wenn das Gesetz von Ursache und Wirkung zutrifft und davon gehen wir ja aus, ist jede noch so kleine negative Handlung, nicht nur schädlich für die anderen Wesen, sondern für uns selber. Ärger, Wut und Zorn –Eifersucht, Neid und Hass sind Gefühle, die zunächst einmal von uns selber empfunden werden und wenn wir es realistisch betrachten, fühlen sich diese Emotionen nicht gut an. Dabei gehen wir immer zwingend davon aus, dass die Ursachen unserer negativen Emotionen, ausschließlich bei den äußeren Umständen zu finden sind und kommen überhaupt nicht auf die Idee, dass wir etwas damit zu tun haben könnten. Aber stimmt das?
Der Buddha hat dafür ein gutes Beispiel angeführt. Er sagte: „ Wenn jemand dem Ärger nachgibt, ist dies, wie als wenn man glühende Kohlen aufnimmt und sie nach dem Anderen wirft. Wenn dieser dann genügend praktiziert ist und sich in Deckung bringt – wer hat sich dann verbrannt?“ Jeder würde sicherlich sagen, dass das Aufnehmen von glühenden Kohlen völlig verrückt ist und doch, wir tun es jeden Tag! Und noch mal die Frage danach, wer schadet sich mehr?
Meister Shinran hat uns gelehrt, dass wir keiner guten Tat fähig und all unsere Handlungen karmisch bedingt sind. Wir sind egobehaftete Wesen, die nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind und selbst der Versuch einer guten Handlung ist ungenügend, weil wir nicht aus reinem Mitgefühl für alle Wesen handeln können. Aus der Sicht des Meisters Shinran macht es also keinen Sinn, Gelöbnisse zu machen, die wir gar nicht halten können. Dennoch, er sagte auch, auf die Frage nach dem absichtlich Bösen, dass man kein Gift zu sich nehmen sollte, nur weil es dafür ein Gegengift gibt. Amida Buddhas ursprüngliches Gelübde befreit uns üble Wesen aus dem Daseinskreislauf und er weiß um unsere karmischen Unzulänglichkeiten und egobehafteten Handlungen. Wenn ich es mir also recht überlege, ist es klar, dass wir bereits vergiftet sind. Gier, Hass und Verblendung haftet uns allen an und dennoch als „Shaku“ (Schüler Buddhas) sollten wir in Betracht ziehen und dem Rat des Meisters Shinran folgen, nicht mehr Gift zu uns zu nehmen, als wir eh schon mit uns tragen.
Das Schaden und Töten anderer fühlender Wesen gilt im Buddhismus als Ursache für besonders negatives Karma. Jetzt mag es aber sein, dass manche das Argument anführen: „ Na und, aber wir sind doch schon befreit!“ oder „Amidas Gelübde sind doch gerade für solch üble Wesen!“ Diesen Freunden möchte ich nur dringend empfehlen, noch einmal über die glühenden Kohlen nach zu denken. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Spaß macht, das ganze Leben mit verbrannten Händen zu verbringen, bis man schließlich dereinst im Reinen Land zum Buddha wird. Auch wenn wir aufgrund des ursprünglichen Gelübdes bereits befreit sind und wir durch Amidas Namen die Befreiung geschenkt bekommen, so bleibt das Gesetz von Ursache und Wirkung noch in dieser Existenz wirksam und beeinflusst unser jetziges Leben. Als Schüler des Buddha und als Menschen sollten wir das unendliche Mitgefühl Amidas ehren, indem wir nicht mehr Gift zu uns nehmen, als wir bereits in uns tragen, zu unserem eigenen Wohl und dem Wohle anderer fühlender Wesen.

In Namo Amida Butsu

Shaku Chisho

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