Anjin-Do

Anjin-Do

Dienstag, 8. Juli 2008

Ein Tag beginnt

Der Wecker klingelt und wieder denke ich darüber nach, mir einen Wecker zu kaufen, der einen schöneren Weckton hat. Der Weckton meines Weckers erinnert mich an die Unbarmherzigkeit des beginnenden Tages und zwingt mich aus dem Bett. Eine innere Stimme verrät mir, daß ich keine Lust habe bereits jetzt schon diesen Tag zu beginnen und schon gar keine Lust habe, die Aufgaben in Angriff zu nehme, die heute vor mir liegen. Verschlafen greife ich zur Zigarette und wünschte, ich könnte die Kaffemaschine zwingen schneller zu laufen. "Noch zwanzig Jahre bis zur Rente"; schießt es mir durch den Kopf und mit diesem Gedanken beginnt auch mein Gehirn wieder zu arbeiten und ist schon eigentlich im Dienst, obwohl ich ja noch auf dem Sofa sitze und Kaffe in mich hinein schütte. Der Buddha lehrte, daß das Leben bestimmt ist vom Leiden und wir etwas dagegen tun können. Er lehrte einen Weg hinaus aus dieser Quälerei, hinein in die Befreiung. Nur nützt mir das im Moment nicht viel, denn ich muss in einer knappen Stunde im Büro sitzen und diesen Tag leben, so wie es sich ergibt. Dabei weiß ich jetzt schon, daß dieser Tag einiges zu bieten haben wird und das verspricht nicht nur Fun. Mein Blick fällt auf meinen kleinen Hausaltar, wo Amida Buddha darauf wartet, daß er auch einmal wahrgenommen wird.
"Sorry Buddha"; höre ich mich sagen und ich knie mich vor ihn hin. Ich entzünde die Kerze und brenn ein Räucherstäbchen an. Noch verschlafen greife ich zu meinem Rosenkranz, falte die Hände und spreche die Zufluchtsformel. "Ich nehme meine Zuflucht zu Buddha, Dharma und Sangha",und dann - "Namo Amida Butsu"! und wieder
- "Namo Amida Butsu"! und nochmal - "Namo Amida Butsu"! Ich höre die Worte meiner Stimme und fühle mich besser. Viel Zeit habe ich nicht und schon ruft das Badezimmer. Doch nochmal, - "Namo Amida Butsu" ! " Buddha, ich weiß das Du mich rufst und ich antworte Dir, jetzt in meiner Unlust und in meinem Frust über den Alltag"!
Ein kleines Lächeln bring ich schon zustande, denn ich bilde mir ein von irgendwo her seine Stimme zu hören, die sagt; "Nun beile dich aber, Du mußt los -denk einfach nur an mich und der Rest ist schon getan"! "Namo Amida Butsu", ich verbeuge mich in Gassho und spring auf. Ich muß los, ein neuer Tag im Daseinskreislauf liegt vor mir und zwischendurch werde ich nochmal an Ihn denken - "Namo Amida Butsu".

In Gassho
Shaku Chisho

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