Anjin-Do

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Dienstag, 12. August 2008

Der Buddha Amida und Buddha Shakyamuni

deutsche Übersetzung von J.M.Nottelmann

Vom Buddha Shâkyamuni kennen wir viele historische Fakten. Er wurde in unsere Welt geboren, übte asketische Praktiken, erlangte Erleuchtung und wurde zum Buddha. Danach verbreitete er den Dharma. Im Alter von achtzig Jahren ging er ins Nirwana ein. Offensichtlich wurde Shâkyamuni als ein Mensch in unsere Welt geboren, nicht anders als wir auch. Jedoch dürfen wir nicht vergessen, dass er nichtsdestotrotz in dieser Welt das Erwachen erlangte und Buddha wurde. Seine physische Form ist bekannt als Nirmanakâya (wörtlich: Verwandlungskörper). Mit anderen Worten: vom höchsten Standpunkt aus betrachtet ist ein Buddha imstande, sich in unzähligen Formen zu manifestieren, um sich den unterschiedlichen Erfordernissen der Wesen anzupassen. Also sagt man vom Buddha Shâkyamuni, dass er einen Nirmanakâya gehabt habe. Beim Erwachen erkannte der Buddha den Buddha-Dharma, der die letzte Wirklichkeit des Lebens ist. Buddha Shâkyamuni erklärte mit Nachdruck, dass der Dharma von ihm keineswegs auf willkürliche Weise geschaffen wurde. Der Dharma -d.h. die Gesetzmäßigkeit der Welt - hat immer existiert und wird immer existieren, unabhängig davon, ob ein Buddha in diese Welt geboren wird oder nicht. Alles, was Buddha Shâkyamuni tat, war, diesen Dharma in Erfahrung zu bringen, um ihn zum Wohle der anderen weiterzugeben. Was Shâkyamuni erlaubte, Buddha zu werden, ist die Wirklichkeit des Dharma. Diese wird als Dharmakâya (wörtl. Dharmakörper) bezeichnet, welche der Körper der letzten Realität und der tranzendenten Wahrheit ist. Er ist jenseits von Raum und Zeit, aber durchaus immanent in dieser Welt. Von unserer begrenzten menschlichen Perspektive können wir vom Buddha Shâkyamuni in derselben Weise sprechen, wie wir von irgendeiner anderen Person sprechen. Aber, obwohl er uns in jeder Hinsicht gleich war, änderte sich seine Seinweise im Universum, nachdem er die Befreiung erlangt hatte. Fühlende Wesen, die der falschen Wahrnehmung von sich selbst anhängen, werden, wenn sie menschliche Form haben, Menschen genannt. Aber wenn einer nicht mehr diese falsche Wahrnehmung von sich selbst hat, wie können wir dann seine Form beschreiben? Da er nun Befreiung in einer sehr realen Weise erfährt, ist seine Form eine Aktualisierung des Höchsten, d.h. des Dharmakâya, in physischer Form. Im Buddhismus wird dies als der "Verwandlungskörper" bezeichnet. Infolgedessen erschien Shâkyamuni als ein Muni, ein Mönch, ein Seher - überlebensgroß und demonstrierte er übernatürliche Fähigkeiten, womit er seine Vorstellung von Veränderung illustrierte. Shinran Shônins Bemerkungen über den Dharmakâya stimmen gut überein mit den Hauptentwicklungen dieser Theorie des Mahâyâna-Gedankens. Er schreibt im Kyôgyô shinshô (II, 84): "Im Ausdruck "Ozean des Einen Fahrzeugs", bedeutet "das Eine Fahrzeug" das Große Fahrzeug (Mahâyâna). Das Große Fahrzeug ist das Buddhafahrzeug. Das Eine Fahrzeug zu verwirklichen bedeutet die höchste, perfekte Erleuchtung (anuttara samyak sambodhi) zu verwirklichen. Die höchste, perfekte Erleuchtung ist nichts anderes als der Bereich (wörtl. die Welt) des Nirwana. Der Bereich des Nirwana ist der höchste Dharma-Körper. Den höchsten Dharma-Körper zu erreichen, bedeutet, dass man das letzte Ende des Einen Fahrzeugs erlangt. Es gibt keinen anderen Tathâgata, es gibt keinen anderen Dharma-Körper. Der Tathâgata selbst ist der Dharma-Körper." (JSS I, S.194) Wie wir oben gesehen haben, stellt Shinran fest, wie der Tathâgata als Dharmakâya verstanden wird. Vom Tathâgata zu sprechen, ist dasselbe, wie wenn man vom Dharmakâya spricht, der Unterschied besteht nur in der beschreibenden Metapher. Wir benutzen das Wort "Tathâgata", wenn wir uns auf den Dharmakâya in einer symbolischen Form wie Amithâbha oder Shâkyamuni beziehen. In seinen Schriften bezeichnet Shinran vom höchsten Standpunkt aus den Tathâgata oder Buddha als Dharma-Körper. Der Dharmakâya als Licht oder mentaler Körper, der vom spirituell Fortgeschrittenen wahrgenommen wird, ist der Sambhogakâya. Die sich wandelnde "körperliche Form des Dharmakâya wie im Falle Shâkyamunis ist der Nirmanakâya. Von diesem Standpunkt aus ist es vernünftig zu sagen, Shâkyamuni ist eine gegenwärtige Form (actualization) des Buddha Amitâbha. Da wir "unachtsam sind und voll von blinden Leidenschaften", kann unser menschlicher Geist und unser menschliches Herz den Dharma-Körper nicht unmittelbar erkennen. Aber nach Shinran wirkt dieser Dharma-Körper, der weder "Farbe noch Form" hat, in einem gewissen Sinne unaufhörlich in dieser Welt der Verblendung. In der Zeit, in der er in Kontakt mit den Menschen kam, wurde er der Buddha, der alle fühlenden Wesen auf der Welt befreit: Buddha Amida. Dieser ist bekannt als Sambhogakâya (wörtlich: Belohnungskörper), welcher der Körper des Glücks und Ruhmes ist: ein Körper als Belohnung für die Erfüllung der Gelübde und verdienstvollen Taten. Dieser Körper hat keine physische Form, sondern er existiert als eine Art "Lichtkörper" oder "geistiger Körper". Amida hat alle drei Körper, aber seine charakteristischen Merkmale sind jene des Sambhogakâya Buddha. Mit anderen Worten ist Buddha Shâkyamuni die historische Persönlichkeit, die die spirituelle Lehre von der Befreiung durch den Buddha Amida begründet hat und uns dahin brachte, das Grundgelübde jenes Buddhas zu erfahren. Amida steht für die letzte Wirklichkeit jenseits von Raum und Zeit. Als Bodhisattva gelobte er nicht allein die Buddhaschaft zu erlangen, sondern in seinem großen Mitgefühl auch, alle Wesen zu befreien. Shinran verehrte Shâkyamuni als den menschlichen Zugang zur Lehre Amidas.

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