Anjin-Do

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Dienstag, 2. Dezember 2008

Bin ich wirklich ein Versager?



Liebe Dharmafreunde,
nach dem vorhergegangenen Beitrag mag sich so mancher nun fragen: "Bin ich denn wirklich ein Versager"? "Möchte ich diesem Club von Idioten überhaupt angehören"? Was meint denn dieser Reverent, wenn er davon spricht, daß wir spirituell anonyme Alkoholiker sind?

Shinran Shohnin sagte von sich selber;

"mein Herz ist voller Schlangen und Skorpione" und "Amida tat das Gelübde aus Erbarmen darüber, daß wir vielerlei Leidensschaften verhaftet sind und durch keine Läuterung vom Samsara erlöst werden können".

Nun, ich möchte einmal einen kleinen Erklärungsversuch starten.

Ziel einer jeden buddhistischen Praxis ist die Läuterung (Reinigung)des Geistes und damit der Versuch, die Realität so wahrzunehmen, wie sie in Wirklichkeit ist. Durch die vielen Methoden, die uns Buddha Shakyamuni gezeigt hat,sollen wir versuchen, die drei Grundübel - Gier ,Haß und Verblendung - zu überwinden.

Shinran Shonin hat diesen Versuch zwanzig Jahre als Mönch der Tendai-Tradition unternommen, nur um letztlich festzustellen, daß er keinen nennenswerten Fortschritt gemacht hatte. Er erkannte, daß Gier ,Haß und Verblendung immer noch in seinem Geist vorhanden waren und so sehr er sich auch bemühte, diese loszuwerden, er es nicht schaffte.

Um nicht allzu theoretisch zu werden hier ein Beispiel für die heutige Zeit.

Als Buddhisten sollten wir bemüht sein liebende Güte, Mitgefühl und Gleichmut zu entwickeln. Viele bemühen sich auch sehr ernsthaft um diese Geisteszustände. Aber, da hat jemand einen dringenden Termin und schafft es kaum pünktlich zu sein. Als er sein Ziel erreicht, wird ihm der letzte Parkplatz vor der Nase weggeschnappt. Oder , man hatte einen harten Tag und hat nur den einen Wunsch, endlich schlafen zu können. Der Nachbar nebenan feiert gerade heute seinen runden Geburtstag und an schlafen ist nicht zu denken. Oder, im Kaufhaus gibt es nur noch den einen Artikel, den ich dringend brauche und dann höre ich, daß der Artikel schon verkauft ist.

Ich könnte sicher mit den Beispielen endlos fortfahren, aber ich denke, es macht deutlich, was Shinran Shonin meinte, wenn er davon spricht,"Mein Herz ist voller Schlangen und Skorpione."

Wieviele von uns haben die Erfahrung gemacht, daß trotz harter Übung und jahrelanger Praxis- Gier,Haß und Verblendung im Geist verankert bleiben!?

Diese Erkenntnis ist es, wenn Rev. Josho davon spricht, daß der Jodo Shinshu Pfad mit dem Gefühl des Versagens beginnt. Erst wenn ich für mich völlig klar habe, daß jede noch so ernst gemeinte Übung mir keinen Erfolg bringt und ich trotz jahrelanger Praxis keine Änderung meiner Gemütszustände erfahre, ja dann bin ich bereit den Pfad der "anderen Kraft" - (Tariki) zu betreten.

Es sollte also so verstanden werden, daß wir nicht besonders dumme Menschen sind, sondern eigentlich das Gegenteil der Fall ist. In der heutigen Zeit wird großen Wert
auf Bildung und Intelligenz gelegt. Nein, der Club der Idioten ist ein Club von Menschen, die sich ihrer spirituellen Unfähigkeiten bewußt geworden sind und sich aufgrund dieser Erkenntnis dem grenzenlosem Erbarmen Amida Buddhas überlassen.

Namo Amida Butsu

in Gassho
Euer Shaku Chisho

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