Anjin-Do

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Sonntag, 25. Januar 2009

Der Brunnenfrosch

Geschichte vom Brunnenfrosch:
Beitrag v. Kogyo Ilona

Wenn wir uns nur mit der weltlichen und materiellen Seite der Wirklichkeit beschäftigen, gleichen wir einem Frosch, der in einem Brunnen lebt und diesen nie verlassen hat. Er hält seinen Brunnen für die ganze Welt. Er weiß nichts vom Teich in der Nähe, nichts vom großen See hinter dem Hügel und nichts vom Ozean jenseits der Berge. Die Lehre des Buddha berichtet vom Teich, vom See und vom Ozean und zeigt Wege auf, um dahin zu kommen.

Für viele Menschen bedeutet der Begriff Welt das, was wir sehen, hören, riechen, schmecken und berühren und zwar außerhalb von uns.
In der Buddhistischen Lehre bedeutet der Begriff Welt, das, was wir aus dem Gesehenen, Gehörten, Gerochenen, Geschmeckten und Berührten machen, kreieren, zusammenbrauen und unsere geistig-emotionalen Reaktionen darauf. Diese Reaktionen werden dann als Erinnerung behalten und gestalten sich zu einer Gewohnheit, die immer wieder die Sichtweise bestätigt, die wir von der Welt haben.
Deshalb ist diese Welt aus der buddhistischen Perspektive betrachtet, nicht eine fest gefügte, unveränderliche Sache „dort draußen“, sondern ein kontinuierliches aktives Beziehungsspiel zwischen dem Körperlichen und Geistigen, zwischen Subjekt und Objekt. Deshalb kann man sagen:
Wir schaffen uns unsere eigene Welt. Auf diese Weise könnte jemand an einem wunderschönen Ort leben, aber aufgrund seines Geisteszustandes subjektiv in einer miserablen Welt und umgekehrt.
Auf diese Weise hat der Frosch seinen Brunnen gebaut und hält ihn nun für die ganze Welt.
In der Lehre des Buddha geht es darum, mit dem Konstruieren der Welt aufzuhören und sie so zu sehen, wie sie wirklich ist.

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