Anjin-Do

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Sonntag, 4. Januar 2009

Der Tag an dem mich Amida traf



Der Tag an dem mich Amida traf

Es war vor mehr als zwanzig Jahren, als ich auf einer Thailandreise mit der Lehre Buddhas in Berührung kam. Ich wusste nichts von dieser Religion, die in Thailand an jeder Ecke spürbar war und man konnte die Tempel, Pagoden und Mönche in ihrer Allgegenwart nicht übersehen. Sechs Wochen Spaß und Bars und eine völlig andere Kultur, machten diese Reise zu etwas Besonderem.
Kurz vor meiner Rückreise besorgte ich mir noch ein kleines Buch mit dem Titel, „Buddhismus für Westler“. Ich las es auf dem langen Rückflug, den ich zu überbrücken hatte und was ich dort las, nahm mir fast den Atem. Nie zuvor hatte ich etwas über den Buddhismus gelesen und doch kam es mir so bekannt und vertraut vor.

Wieder zu Hause machte ich mich auf die Suche nach einem Lehrer. Ich fand ihn, in einer deutschen buddhistischen Nonne, also eine Lehrerin in der Tradition des Theravada. Bei ihr fand ich all das wieder, was ich bereits aus dem kleinen Büchlein kannte und meine Lehrerin füllte all die Wissenslücken, die ich naturgemäß noch hatte.

Aber nur das Wissen ist natürlich nicht genug und so lernte ich all die Meditationstechniken, die meine Lehrerin ihren Schülern vermittelte.

Nun, ich hatte keine Ahnung! Der Weg zur Erleuchtung war nicht so einfach, wie es einfach war, die Theorie zu verstehen.

Ich möchte nicht ins Detail gehen, dass würde jetzt sicher zu weit führen. Aber in den folgenden zehn Jahren, versuchte ich alle Meditationstechniken zu lernen, die der Buddha gelehrt hatte. Diese wurden mir von meiner ehrwürdigen Lehrerin vermittelt und meine Dankbarkeit und Hochachtung für sie ist heute noch lebendig.

Es war mehr als schwer festzustellen, dass Meditation harte Arbeit ist, besonders wenn man im ganz normalen Leben steckt und noch einem Beruf nachgehen muss. Es ist eine Sache, während einem Seminar auf dem Kissen zu sitzen, ohne die ganzen Ablenkungen des Alltags und eine andere Sache danach wieder zu Hause zu sein, mit all den Problemen, die das Leben bereit hält.

Es war sehr frustrierend festzustellen, wie unfähig ich doch war. Nach Jahren des Lernens und Übens in der Theravada –Tradition hatte ich keinerlei Fortschritte gemacht und so wandte ich mich anderen Lehrern, in anderen Traditionen, mit anderen Methoden zu.

Ich hörte vielen Lehrern zu, las Bücher über Zen und den tibetischen Zugang, aber nichts schien mich meinem Ziel, der Selbsterkenntnis wirklich näher zu bringen. Gelegentlich glaubte ich gefunden zu haben wonach ich so sehr suchte, nur um dann doch wieder herauszufinden, dass auch diese Praktiken zu schwierig für mich waren.

Doch, - ich wollte Erleuchtung, wollte frei werden, - wollte raus aus des Lebens Misere mit all seinen Enttäuschungen, die es für gemeine Menschen wie mich bereithielt.

Nur wie sollte dies gehen?

Der Buddha sagte, dass es geht, nur warum ging es für mich nicht, warum war ich so unfähig, was machte ich falsch? Längst hatte ich bemerkt, dass ich fähig war Dinge zu denken, die man nicht denken sollte. Wurde launisch und ärgerlich, wenn die Dinge nicht so waren, wie ich sie gerne gehabt hätte, war manchmal gierig und egoistisch und ich musste mir eingestehen, dass all die Jahre der Praxis keinen nennenswerten Effekt auf mein so genanntes Ich gehabt hatten.

Was machte ich falsch?

Bei einem tibetischen Rinpoche las ich zum ersten Mal von Amithaba Buddha. Davon, dass es ein Reines Land gab und das dieser Amithaba Buddha all jene dort hinein nahm, die im vertrauten, seinen Namen anriefen und ansonsten völlig unfähig waren die buddhistischen Übungen auszuführen.

Aber war dies möglich? Wer war dieser Amithaba Buddha, der die Menschen ohne Selbstkraft, einfach so, in sein Reines Land holen würde, wenn sie ihm nur vertrauten? War dies überhaupt ein buddhistischer Weg? Ohne Selbstkraft?

Rev. Jotoku Thomas Moser versorgte mich mit dem entsprechenden Informationsmaterial über die Wahre Lehre vom Reinen Land - Jodo Shinshu- und über Amida Buddha.

Ich muss gestehen, dass ich mit dem, was ich dort las, zunächst nicht viel anfangen konnte. Ich las Begriffe wie; Glaube oder Vertrauen, Shinjin und Ursprüngliches Gelübde und Nicht verloren zu gehen oder zu sein. Worte wie Tariki ließen mich mit dem Kopf schütteln. Das hörte sich nun wirklich nicht buddhistisch an.

Auf der anderen Seite war da dieser Lehrer, Shinran Shonin, der irgendwie den gleichen Weg erfahren hatte, wie ich es erleben musste. Jahre der Übung und der Praxis in denen man keinen Fortschritt erzielt hatte. Frustration und die Erkenntnis, nichts erreichen zu können.

Und doch sprach Shinran Shonin über Amida Buddha, als den Buddha, der sich all jener annimmt, die eben zu nichts in der Lage sind. Der Buddha, der sich um alle sorgt, die ohne Chance sind jemals den Daseinskreislauf zu verlassen, der nichts anderes im Sinn hat, als all seine angesammelten Verdienste an all Jenen zu verschenken, die ihm ganzen Herzens vertrauen.

Im Tannisho konnte ich lesen, wie sehr Shinran Shonin sich seiner Unfähigkeit bewusst war und zum ersten Mal traf ich hier einen Lehrer, der nicht wie die Anderen lehrte, so als sei er bereits am anderen Ufer angekommen.

Im Gegenteil, Shinran betonte die Unfähigkeit gewöhnlicher Wesen im Hinblick auf die Erleuchtung und empfahl einfach nur auf die Gelübdekraft Amidas zu vertrauen. Das Nembutsu zu sprechen und sich zu wünschen ins Reine Land hingeboren zu werden.

Ich beschloss Shinran Shonin zu glauben und es zu versuchen.

Namo Amida Butsu - Namo Amida Butsu

Ich rief seinen Namen als erstes am Morgen und rief ihn dann wieder kurz vor dem zu Bett gehen. Ich las die Worte Shinrans im Tannisho und versuchte nicht allzu viel darüber nach zu denken. Über den Dharma nachzudenken hatte mir in der Vergangenheit nicht viel gebracht und so war ich bereit den Namen Amidas zu sprechen und dem Dharma in Stille zuzuhören.

Aber rief ich den Buddha, oder rief der Buddha mich?

Es war noch früh an diesem Morgen, als ich mit dem Hund die erste Runde lief.
Die Luft war noch frisch und es tat gut sie einzuatmen. Ich hörte ein paar Vögel singen und irgendwie war es noch still. Nur wenige Leute waren bereits auf dem Weg zur Arbeit oder sonst wohin. Mein Hund hüpfte hier hin und dort hin und freute sich ohne Leine sein zu dürfen, ich sah das erste Grün der Bäume und Sträucher und…

Namo Amida Butsu -- Namo Amida Butsu

Es passierte einfach – ohne dass ich es wollte. Es war einfach da.
Namo Amida Butsu – Der Himmel, die Bäume, mein Hund, die Leute, die Luft, mein Leben – Namo Amida Butsu.

Es war als, wenn der Buddha mich anlächelte und ich konnte gar nicht anderes, als dieses Lächeln zu erwidern.

„Warum sich sorgen? Warum so viele Gedanken? Es ist alles hier - und alles getan, - geh einfach weiter und überlasse mir den Rest!“

Es war einfach da, tief in mir, eine Stimme ohne Ton, Worte die nicht gesprochen wurden und doch so klar, als wäre jemand vor mir gestanden.

Ich rufe seinen Namen, freiwillig und bewusst, aus Dankbarkeit. Nur einen Moment, nur ein inneres Lächeln machte mir klar, dass nicht ich es war, der den Buddha rief, sondern es war genau umgekehrt.

Wenn ich seinen Namen rufe, ist es wirklich umgekehrt. Amida Buddha ruft -und ich antworte ihm wie ein Kind, was dem Ruf der Eltern folgt.

Namo Amida Butsu

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