Anjin-Do

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Freitag, 31. Juli 2009

O-Bon Fest

Liebe Dharmafreunde,
im August begehen auf der ganzen Welt Buddhisten das Ullambanafest. Hier ein Beitrag von Armin.



O-Bon und die Erlösung unserer Ahnen
Gedanken zu diesem Thema von Armin Lohbeck

Anlässlich des kommenden O-Bon Festes möchte ich ein wenig der Verbindung mit unseren Ahnen nachspüren. Ein Thema, das für uns westliche und moderne Menschen sicherlich sehr speziell ist, denn wo tritt schon noch unsere Verbindung mit den Vorfahren zu Tage? Aussagen wie „du gehst ganz nach deinem Urgroßvater“ hört man nur noch selten, wenn überhaupt. Und Wörter wie „Blutsbande“…..? Höchstens bei bestimmten vererb- baren Krankheiten findet die Ahnenverbindung noch Erwähnung. Ganz anders hingegen in Asien, das sich natürlich auch zunehmend verändert: Viele buddhistische Schulen gehen davon aus, dass die eigene Erlösung nur in Verbindung mit der Erlösung der eigenen Ahnen einhergehen kann. Das heißt im Klartext, wenn die Ahnen nicht erlöst werden, wird aus der eigenen Erlösung auch nichts. Auch im Alltag findet man diese Denkweise in gewisser Weise wieder. Sätze wie „du hast so oft Migräne, weil dein Großvater an einer Kopfverletzung im Krieg starb“ sind nichts Ungewöhnliches (selbst erlebt).
Vor diesem Hintergrund ahnt man vielleicht, warum es so zahlreiche Feste und Zeremonien um die Ahnen und leidenden Verstorbenen gibt. Im Shingon-Buddhismus wird beispielsweise das Wasser, das morgendlich dem Buddha dargebracht wird am Abend im Gedenken an die dürstenden Hungergeister und Höllenwesen an einem Baumstamm ausgegossen. Dazu wird eine Dharani (kurze Sūtra
Formel) zum Durchbrechen der Höllenpforte und Öffnen der Kehlen gesprochen, damit die dürstenden Geister, deren Münder vor lauter Gier ganz spitz geworden sind, über die Wurzeln des Baumes durch dieses Wasser Erfrischung und Linderung finden mögen. Durch Zeremonien, wie z.B. dem Laternenfest Mizusegaki, werden die Namen der Ahnen auch immer wieder ins Gedächtnis gerufen und aufgeschrieben. Es geht also um Läuterung und Reinigung (Kuyō) der Ahnen, um Hilfe durch Verdienstüber-
tragung.

Doch wie stehen wir als Shin-Buddhisten dazu? Wie dürfen wir das O-Bon-Fest verstehen und mittanzen, wo es doch ursprünglich darum geht, dass der Jünger Maudgalyāyana (Mokuren) durch eigenes Tun seine Mutter aus dem Reich der hungrigen Geister befreite und aus Freude darüber tanzte? Wie können wir - die wir uns doch der Eigenkraft enthalten - unseren Ahnen helfen, um in Freude mittanzen zu können?

Lassen wir zuerst unseren Shōnin über das „wie“ zu Worte kommen:

Ich, Shinran, habe bisher kein einziges Mal das Nembutsu für die Seele der verstorbenen Eltern rezitiert. Denn alle beseelten Wesen sind im Kreislauf vergangener Leben irgendwann einmal meine Eltern und Geschwister gewesen. Jedes von ihnen muss ich als Buddha erretten. Sollte das Nembutsu ein Verdienst sein, das durch unsere eigene Kraft geleistet wird, könnten wir sie erretten, indem wir für sie das Nembutsu sprechen. Da es aber nicht zutrifft, müssen wir unsere Eigene Kraft loslassen und nicht säumen, die Erleuchtung des Reinen Landes zu erlangen, um danach durch die ungehinderte Kraft des Buddha ebenso die uns Nahestehenden, in welche der durch das Karma verursachten Qual der sechs Wege und vier Geburten sie auch versunken sein mögen, erretten zu können.
(Tannishō 5, Übersetzung: M. Sonoda)

Und im Kōsō Wasan (18) heißt es:
Der Geist, der die Lebewesen befreien will * ist das Wahre Vertrauen in die Andere Kraft.

Wenn wir diese Worte recht bedenken, fällt uns eine große Last vom Herzen, denn es ist für unsere Ahnen das allergrößte Heil, wenn wir zuerst das wahrhaftige Herz erlangen und so den Ozean von Geburt und Tod sprunghaft überqueren (Ōchō no Shinjin).
Dadurch ist ihnen nämlich ihre Rettung durch uns als Buddhas gewiss. Es dürfte somit für uns wie auch für unsere Ahnen keine größere Freude geben, als die, dass wir zu den Nie-wieder-Zurück-fallenden gehören (Futaiten).
Wenn uns also das Shinjin vom Buddha Amida, unserem wahren Oyasama, geschenkt ist, na dann haben wir allen Grund gemeinsam mit unseren Ahnen zu feiern und zu tanzen.
Diese Stimmung wünsche ich uns allen zum kommenden O-Bon-Fest.

Namu Amida Butsu

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