Anjin-Do

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Mittwoch, 18. November 2009

Ein wahrer Lehrer



(von Prof. Rev. Toshikazu Arai)

Ich beschloss auf die ernste Kritik von Rev. Cirlea gegen Prof. Taitetsu Unno und Prof. Takamaro Shigaraki zu antworten, nicht weil ich Ihnen verbunden bin, sondern weil ich sie als wahre Gelehrte und ernsthafte Nembutsu Praktizierende respektiere. Ich traf sie zu unterschiedlichen Zeiten in meinem Leben. Ich traf Dr. Unno 1975 und hörte seine Vorlesungen für ein Semester in diesem Jahr und danach noch einmal im Sommer 1980. Als Student der Ryukoku Universität gehörte ich von 1982 bis 89 zu Prof. Shigarakis Shinshu Seminar. Ich habe Dr. Unno seit Jahren nicht gesehen und traf Prof. Shigaraki vielleicht einmal im Jahr.

Sie sind beide sehr unterschiedliche Personen, haben aber eine Sache gemeinsam. Beide diskutieren ihr Verständnis und Interpretationen der Lehre mit ihren Studenten, aber drängen ihren Zuhörern niemals ihre Ideen und Gedanken auf. Sie behaupten nie, dass ihre Interpretationen wahr und andere Interpretationen falsch wären. Einmal fühlte ich mich so frei und unbeschränkt, seine Interpretation vor ihm in der Klasse zu kritisieren und er lächelte einfach und antwortete auf meine Kritik, wofür ich ihn sehr respektiere.

Als Nembutsu Praktizierende übermitteln sie uns großzügig ihr Verständnis der Lehre, sagten aber nie, dass wir ihre Worte akzeptieren müssen. In Japan ist es nicht ungewöhnlich, dass Shinshu Anhänger sich emotional an ihre Lehrer binden und den Worten des Lehrers ohne Nachzudenken glauben. Dr. Unno lehnte es ab, dass die Leute eine solche emotionale Abhängigkeit zu ihm entwickelten. Im Frühling 1975 startete er eine öffentliche Vorlesereihe am Buddhistischen Studien Zenter, welches in diesen Tagen noch recht klein war. Dann zog es aber immer mehr Menschen an, so dass die Honpa Hongwanji Mission von Hawaii die Vorlesung in eine viel größere Halle des Hawaii Betsuin verlegen musste. Nach einer gewissen Zeit beschloss er die Vorlesungen zu beenden, mit der Begründung, dass eine Vorsetzung zu einem Personenkult führen könnte. So lehrte er uns, dass die wahre Essenz des Buddha Dharma jene ist, jeden einzelnen Zuhörer zu einer wirklich unabhängigen Person werden zu lassen.

Im letzten Teil des Tannisho, Kapitel 2, wird Shinran wie folgt zitiert:
„Letztlich betrachtet ist es wie ich, Törichter, mich dem Nembutsu anvertraue.
Wenn ihr es hört, liegt es bei jedem Einzelnen, ob ihr das Nembutsu in euer Herz aufnehmt oder es aufgebt.“ (übersetzt von Arai) Nachdem er sein Verständnis von der Nembutsu Lehre erklärt hatte, sagte Shinran, „Das ist mein Verständnis. Jetzt könnt ihr darüber nachdenken und individuell entscheiden, ob ihr es annehmen wollt oder nicht.“ Das ist das Beispiel von einem wahren Lehrer.

Weiterhin, im Tannisho, Kapitel 6, wird Shinran zitiert:
„Ich hörte, dass einige Praktizierende des Nembutsu darüber streiten „meine Schüler“ und „des anderen Schüler“. Das aber steht völlig außer Frage. Dieser Shinran hat nicht einen einzigen Schüler.“ Diese Aussage zeigt ebenso, dass er seine Anhänger als Mitreisende ins Reine Land („on-dogyo“) und als gleichwertig betrachtete.

Wahre Lehrer finden Gefallen daran, ihr Verständnis von der Lehre mit ihren Zuhörern zu teilen und stellen keine Forderungen an sie. Sie respektieren jeden Zuhörer als gleichwertigen Partner auf der Reise ins Reine Land.
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(Vielen Dank Rev. Arai Sensei für Ihre Freundschaft und Unterstützung)
in Gassho Chisho Frank

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