Anjin-Do

Anjin-Do

Samstag, 12. Dezember 2009

Jeden Tag neu!


Liebe Dharmafreunde,

im letzten Monat eines jeden Jahres macht sich in der Gesellschaft eine große Geschäftigkeit breit. Alle bereiten sich auf das Weihnachtsfest vor. Man kauft Geschenke für die Lieben zu Hause, für Freunde und Bekannte, überlegt sich das Weihnachtsmenu für die Feiertage und schaut, dass man die wieder vergessenen Winterreifen noch rechtzeitig vor dem ersten Schnee aufgezogen bekommt. In den Medien verheißt man uns die große Glückseligkeit, wenn wir nur die richtigen Produkte kaufen und die Kirchen versuchen verzweifelt, die eigentliche Sinnhaftigkeit der Weihnachtszeit zu vermitteln. Oft ein hoffnungsloses Unterfangen, wie ich finde. Aber sei es drum, am Heiligabend sind die Gotteshäuser auf der ganzen Welt gefüllt bis auf den letzten Platz und selbst jene, die man das ganze Jahr nicht sah, werden auch diesmal wieder mit dabei sein. Sie alle feiern dann die Geburt Jesu und erinnern sich seiner Botschaft und dem daraus resultierendem Erlösungsversprechen. Und wir als Buddhisten, die wir diese Form der Befreiung nicht im Repertoire haben? Im generellen Buddhismus sagen wir, dass unsere Befreiung aus dem Kreislauf von Leben und Tod davon abhängt, ob wir uns ernstlich und mit ganzer Kraft dem Weg der Heiligkeit hingeben können. Es hängt davon ab, ob wir den Anweisungen Buddhas wirklich folgen wollen und ob sich die Bedingungen hierzu sich aus unserem Karma ergeben. Auch wir können dann, wie in der christlichen Religion, in den Bereich der Leidbefreiung eintreten, ob wir es nun Himmel oder Nirvana nennen, soll an dieser Stelle einmal keine Rolle spielen. Tatsache ist, dass in beiden Wegen vom Praktizierenden eine gewisse Anstrengung verlangt wird und man gewisse Voraussetzungen mitbringen muss oder auch schaffen muss, um sein Ziel zu erreichen. Beide Wege betonen hierbei, dass es letztlich Jedem möglich ist in den Himmel zu kommen oder Nirvana zu erreichen. Wenn wir nur keine Menschen wären! Im christlichen Sinne der Sünde verfallen und im Buddhismus der Verblendung.

Nun, ich spreche hier ein wenig aus Erfahrung, denn den ersten Teil meines Lebens verbrachte ich als gläubiger Katholik und den größeren Teil meines Daseins als Schüler des Buddha. Und auf beiden Wegen fand ich mich selber in einer Zwickmühle. Ich wollte ein guter Christ sein und ich wollte auch ein guter Buddhist sein, wenn ich nur nicht so verflixt gefangen wäre in und mit meinen allzu großen Unzulänglichkeiten. Nie konnte ich den Anforderungen der einzelnen Wege genügen und immer fand ich mich in einem Zustand kleiner Verzweiflungen, wenn ich es mal wieder nicht hinbekam und entweder beichten musste oder mein eigenes Versagen mich beständig einholte.

„Komm so wie Du bist“ - waren die Worte, die mich auf den Weg des Nembutsu aufmerksam machten und mich noch bis heute begleiten. Nichts mit bringen zu müssen, nichts erfüllen zu müssen, einfach nur ich sein zu dürfen - auch dies waren Worte des Buddha, die ich bis dahin nicht gehört hatte. Es war, wie ich später lernte, ein Weg des Vertrauens, ein Weg des sich Hingebens und des Loslassens. Ein Weg des Hörens auf den Ruf Buddhas im eigenen Herzen und ein Weg des Staunens über so viel Barmherzigkeit bzw. Mitgefühls. Der Bodhisattva Dharmakara hat so viel Zeit investiert und dadurch so viele Verdienste angesammelt, dass es selbst für mich reichte, durch seine Gelübdekraft ihn als Buddha Amida erfahren zu dürfen. Heute in der Weihnachtszeit wird mir klar, wie sehr sich doch die Wege gleichen und dennoch gibt es für mich einen entscheidenden Unterschied. Täglich macht sich der Bodhisattva Dharmakara für mich auf den Weg, täglich erfüllt er seine Gelübde wieder und täglich wird Amida Buddha nur für mich Bombu geboren, durch seine Gelübdekraft und durch seinen Namenruf in meinem Herzen – Namo Amida Butsu – Namo Amida Butsu!

Meine tägliche Befreiung im Reinen Land - hier und jetzt - jeden Tag neu!

Ich wünsche Euch Allen eine Zeit der Ruhe, des Friedens und der Harmonie miteinander, verbunden mit dem buddhistischen Gedanken

„Mögen alle Wesen glücklich sein“!

in Gassho
Euer
Chisho

Keine Kommentare: