Anjin-Do

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Mittwoch, 3. Februar 2010

Gedanken, basierend auf einem Dharma Gespräch im Shindo



von Rev. Jotoku Thomas Moser

„Shin Buddhisten können in diesem Leben nicht erleuchtet werden?“
Das klingt absolut und für jene die auf dem Weg der Buddhalehre unterwegs sind, im ersten Moment beängstigend.

Zur Beruhigung sagen wir dann gerne: „aber --- unter den vielen Milliarden Menschen gibt es vielleicht doch Einige, die das aus eigener Kraft schaffen“ ---- (aber keine Shin Buddhisten!)
„Und überhaupt, es gibt keine Erleuchtung, weil es nichts zu erleuchten gibt!“

Hier versucht der Kopf das Regiment zu übernehmen. Ich sage es mal etwas moderater: „Shin Buddhisten können in diesem Leben nicht die Befreiung erlangen, aber die Zusicherung gerettet zu werden.“ Warum?

Ich möchte mir dazu gern Hilfe bei T. Shigaraki holen. Er sagt: „In Shinjin erwache ich zur Wahrheit dessen, wer ich wirklich bin, erkenne mich als verblendeten Egoisten, dem das bedingte Entstehen nicht bewusst ist.“ „Shinjin“!

Ich kann zwar Shinjin nicht treffend in einen deutschen Begriff übersetzen und ich denke, das sollte man auch nicht. Wir wissen, dass Shinjin umschrieben so viel wie „geschenktes“, „von innen heraus, “ entstandenes Vertrauen bedeutet. Shinjin kann ich nicht durch Übungen, Bemühungen oder Studium erreichen. Es wird mir geschenkt, wenn es an der Zeit dafür ist.
Aus dem Zitat von Shigaraki wird klar, dass wir als Ziel unsere Selbsterkenntnis anstreben, dass sie gewissermaßen der Nährboden dafür ist, um uns weiter zu entwickeln und dass wir diese Selbsterkenntnis nicht wirklich (nur) aus eigenem Bemühen schaffen.

Verbal sind wir alle gerne bereit von Ego und eigener Unfähigkeit zu sprechen. Wir bemühen zur Bekräftigung sogar den japanischen Begriff des „Icchantika, “ des „Hoffnungslosen“ und merken nicht, dass das Kokettieren damit bereits Eitelkeit beinhaltet. Um uns selbst in aller Tiefe zu erkennen, bedarf es Shinjin. Shinjin gründet sich also auf der Erkenntnis unserer Unwissenheit und Verblendung, auch wenn wir dieser noch nicht voll gewahr sind und damit wird klar, dass wir in diesem Leben nicht Buddha werden können.
Aber --- nun das große Aber: Shinran sagt, dass wir durch Shinjin „dem Buddha gleich“ werden, während wir ganz normale Menschen bleiben.
Kann man das verstehen? Shigaraki: „Mein wahrer Zustand muss mir dabei zunächst wie mit den Augen eines anderen gezeigt werden. „Erkennen“ in Shinjin heißt, durch den Dharma des Buddha und das Nenbutsu mein Befangensein in Verblendung so zu gewahren, als geschähe dies durch die Augen des Buddha. Wie ein Spiegel das körperliche Ebenbild zeigt, lässt einen der Dharma einen Blick auf die Wahrheit des eigenen Wesens werfen. Dieses existentielle Wissen darum „Wer ich bin“, nannte Shinran die „Weisheit aus Shinjin.“ Shinjin hat zwei Aspekte: „Wahrheit und Erfahrung“ „Das eigene Herz erfahren,“ wie Shigaraki sagt:

Zitat: „Diese Weisheit, Erkenntnis des Herzens, das dabei Läuterung erfährt, ist die Dynamik in Shinjin, Prajna und Cittaprasada. Die Weisheit und das reine Herz bilden als Wirken und Wesen von Shinjin eine nicht trennbare Einheit.“
Das „reine Herz“ (oft auch als klarer Blick, oder gesammelter Geist, umschrieben), ein Begriff den nicht nur Shinran gerne benutzt um das Erwachen, die Geburt im Reiche des Buddha zu umschreiben. Cittaprasada wird oft gleichbedeutend mit Samadhi, oder Satori verwendet. Shinran schließt diese nicht mit dem Intellekt zu erfassenden Begriffe in Shinjin ein.

Damit wird klar:
a, Die Erkenntnis unseres Selbst ist der Nährboden für Shinjin.
b, Shinjin umfasst eine überweltliche Wahrheit die uns normalen Menschen nicht zugänglich ist.
c, Durch Shinjin mit den Augen des Buddhas sehen, macht uns dem Buddha gleich, obwohl wir weiterhin Menschen im gewöhnlichen Alltag mit all seinen Höhen und Tiefen bleiben.
d, diese weltlichen Verstrickungen sind es, die uns die Gewissheit der Befreiung geben, weil sie die Grundlage für Selbsterkenntnis sind und damit ein Loslassen von berechnenden Bemühungen ermöglichen.

Wieder formuliert es Shigaraki treffend: „Shinjin ist reine Erfahrung, Klarheit, Reinheit, Ruhe......... Geist und Herz wurden vollkommen rein und klar.“
Wir können es also beruhigt aufgeben über Erleuchtung, oder Befreiung nachzudenken.

Das lenkt uns nur ab.
„Sei wie du bist, das ist es und sonst nichts“, sagte Bankei Eitaku, woran man sieht, dass diese Erkenntnis nicht uns Shin Buddhisten allein vorbehalten ist.
Ich finde beispielsweise das was ich bei Shinjin „spüre“ auch im Herz Sutra, ---- nachdem ich es mehr als hundertmal gelesen habe. Mögen unsere persönlichen Wege und Möglichkeiten auch unterschiedlich sein, Shinran macht uns frei von der Angst „das Ziel“ nicht zu erreichen
Er sagt: (er beschreibt das als Ojo –Neugeburt Erlebnis) „Wie die Schnecke stets ihr Wohnhaus bei sich trägt, begleitet mich die Gewissheit des Reinen Landes.“

Namu Amida Butsu
Jotoku

Quelle: „Sogar der Gute wird erlöst. Um wie viel eher der Böse“ von Takamaro Shigaraki

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