Anjin-Do

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Donnerstag, 18. Februar 2010

Tagträume



Die ersten Sonnenstrahlen seit Tagen, der Himmel erstrahlt in seinem schönsten Blau und gibt mir wieder Hoffnung, dass auch dieser Winter einmal vorübergehen wird. Es ist schon wieder Zeit für die nächste Gassi Runde mit den Hunden und so treten wir Drei ins Freie, wo uns die wärmenden Sonnenstrahlen fast schon wie umarmen. Es ist unglaublich, denn ich höre sogar Vögel singen, sie zwitschern und pfeifen, geben sich einander Antwort und sitzen aufgeregt in den kahlen Zweigen der Bäume. Meine beiden vierbeinigen Begleiter spurten los, so als sei ein Startschuss gefallen und auch sie sind aufgeregt wie die Vögel. Der Frühling kündigt sich an und wo gestern noch zentimeter dicker Schnee und Eis lag, treten jetzt schon wieder die braun- grünen Flächen durch, die seit Wochen von einheitlichem Weiß bedeckt waren. Unter meinen Füßen schmatzt es, Wassertropfen spritzen hoch und was gestern noch hart und unzerstörbar schien, löst sich auf in kleinen Rinnsalen und Pfützen. Während ich so vor mich hergehe, stelle ich mir die Frage, wo denn all dieser Schnee am Ende bleiben mag? Was ist mit all dem festen Eis, das selbst große Seen bedeckte und auf dem man selbst zu laufen vermochte? Fasziniert beobachte ich, wie sich der weiße Stoff im Sonnenlicht aufzulösen beginnt und ich kann nicht umhin, diesen Vorgang mit meinem eigenen Leben zu vergleichen.

Der Schnee kam, weil es Winter wurde und die klimatischen Bedingungen in diesem Jahr, einen längst tot geglaubten Winter, möglich machten. Der Schnee blieb, weil sich diese Bedingungen auch weiter hielten und eben das hervorbrachte, womit wir uns in den letzten Wochen in allen Medien beschäftigten. Und nun? Die Bedingungen haben begonnen sich zu verändern, die Temperaturen steigen und während ich noch gehe, schmilzt der Schnee unter meinen Füßen.

Ist es nicht auch so mit meinem Leben?

Wo geht der Schnee nun hin? Ist er einfach fort, so als hätte er nie wirklich existiert? Was ist mit der Freude, die er den Kindern brachte, weil sie endlich einmal ihre Rodelschlitten hervorholen konnten. Die wohl gehenden Geschäfte der Skipistenbetreiber, garantierten Jobs und Einkommen, die Bekleidungsindustrie boomte und so vieles Positive mehr brachte uns der Schnee. Aber auch Verkehrschaos, die Krankenhäuser behandeln Knochenbrüche am Fließband, Stromausfälle, Tote und dergleichen mehr, waren die Kehrseite dieser weißen Medaille.

Ist es nicht auch so mit meinem Leben?

Langsam, aber unaufhörlich, schmilzt der Schnee und verwandelt sich in kleine Bächlein und Pfützen. Ich sinne darüber nach, wie die Bedingungen doch alles bewirken. Gestern war noch alles weiß und hart gefroren. Die Sonne aber lässt den Schnee in seiner Substanz vergehen und doch ist er nicht wirklich verschwunden. Heute ist der Schnee die Pfütze, die im Boden versickert, der anschwellende Fluss, die Feuchtigkeit in der Luft, die Wolke, die vorüberzieht. Er ist der Grundwasserspiegel der sich anhebt, der Tau, der sich am Morgen bildet, das Wasser, welches ich vielleicht schon Morgen trinken werde.

Ist es nicht so mit meinem Leben? Ich weiß es nicht! Kann sein!

Ich laufe und sinne über all dies nach. Der Schnee jedoch - er schmilzt nur. Er hat keine Fragen, kennt keine Philosophie, fragt sich nicht, was aus ihm wird und kennt auch kein Bedauern darüber. Er schmilzt nur und wird zu dem, was die Bedingungen ihm vorgeben.

Wo geht der Schnee nun hin? – ich muss über mich selber lachen!
Ich denke so, ich habe Fragen, ich nenne es Schnee – genau wie ich all die anderen Dinge in meinem Leben benenne und somit eine besondere Wichtigkeit gebe!

Der Schnee hat mir etwas voraus, weil er dies nicht macht. Er/Es ist je nach Bedingungen, was auch immer und dennoch bleibt - was auch immer - davon völlig unberührt!

Namo Amida Butsu

Chisho

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