Anjin-Do

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Samstag, 1. Mai 2010

aus "Die Lehre Buddhas" v. BDK



Zweites Kapitel

DER UNENDLICHE UND VERKLÄRTE BUDDHA

I

SEIN MITGEFÜHL UND SEIN GELÜBDE

1. Der Geist Buddhas ist Barmherzigkeit und Mitgefühl. Durch seinen liebenden Geist will Buddha alle Menschen mit allen erdenklichen Mitteln erlösen. Mit seinem Geist ist Buddha mit den Menschen krank und erleidet deren Leiden mit.

Er ist der Geist, mit dem eine Mutter ihr Kind nährt und schützt. "Euer Leiden ist mein Leiden und euer Glück ist mein Glück," - diesen Satz vergißt Buddha nicht einmal für einen einzigen Augenblick, denn es ist das Wesen des Buddha, alle Gefühle der Menschen zu teilen.

Buddhas mitfühlender Geist kommt einem entsprechenden Bedürfnis des Menschen entgegen; das Vertrauen des Menschen ist die Antwort auf diesen Geist, und er führt ihn zur Erleuchtung: Eine Mutter verwirklicht ihre Mutterschaft, indem sie ihr Kind liebt, und wenn das Kind diese Liebe verspürt, fühlt es sich sicher und wohl.

Dennoch verstehen die Menschen diesen Geist Buddhas nicht, und sie leiden wegen ihrer falschen Hoffnungen und Wünsche, die ihrer Unwissenheit entspringen. Das Karma, das durch weltliche Leidenschaften angesammelt wurde, läßt sie leiden und in den Bergen der Verblendung mit einer schweren Last des Schmerzens wandern.

2. Man soll nicht denken, daß das Mitgefühl des irdischen Buddha nur dem augenblicklichen Leben gilt. Es offenbart nur den zeitlosen Geist des ewigen Buddha: Er ist wirksam, seit die Menschheit ihre ersten Irrtümer beging, die aus Unwissenheit herrührten.

Der unendliche Buddha zeigt sich den Menschen gegenüber immer mit größter Freundlichkeit und steht ihnen mit größter Klugheit bei.

Buddha wurde Gestalt in Shakyamuni, der als Prinz dem Geschlecht der Shakya entstammte, dann aber die Bequemlichkeiten seiner Umgebung verließ, um ein Leben in Askese zu führen. Durch das Asketentum erreichte er die Erleuchtung. Er predigte den Dharma unter seinen Anhängern und offenbarte ihn schließlich mit seinem irdischen Tod.

Buddha wirkt ewig, weil die menschliche Unwissenheit beständig bleibt; und so bodenlos die Tiefe der Unwissenheit ist, so grenzenlos ist das Mitleid Buddhas.

Als Buddha sich entschloß, das irdische Leben aufzugeben, legte er vier große Gelübde ab: Alle Menschen zu erretten, allen irdischen Wünschen zu entsagen, alle Weisheiten zu erlernen und vollkommene Erleuchtung zu erlangen. Diese Gelübde entstammten nicht seinen eigenen Ideen, sondern waren nur die Offenbarung der Liebe und des Mitgefühls, die dem Wesen eines Buddha entstammen. Denn der Geist eines Buddha ist Barmherzigkeit und Mitgefühl.

3. Buddha übte sich zuerst darin, jedem beseelten Wesen gegenüber freundlich zu sein und die Sünde, irgendein Lebewesen zu töten, zu vermeiden. Mit diesem tugendhaften Streben verband er zugleich den Wunsch, daß allen Menschen die Glückseligkeit eines langen und erfüllten Lebens zuteil werde.

Buddha übte sich, die Sünde des Stehlens zu vermeiden, und mit diesem tugendhaften Streben verband er den Wunsch, daß alle Menschen all das erhalten mögen, was sie benötigen.

Buddha übte sich darin, schlechte Taten zu vermeiden, und mit diesem tugendhaften Streben verband er den Wunsch, daß alle Menschen die Ruhe des Geistes kennenlernen sollten.

Buddha übte sich, die Lügen zu vermeiden, und mit diesem tugendhaften Streben verband er den Wunsch, daß die Menschen nur Gutes über ihre Lippen bringen mögen.

Buddha übte sich, jede Doppelzüngigkeit zu vermeiden und mit diesem tugendhaften Streben verband er den Wunsch, daß alle Menschen die Freude an der Gemeinschaft derer kennenlernen mögen, die seinen Lehren folgen.

Buddha übte sich in der Vermeidung, andere zu verleumden, und mit diesem tugendhaften Streben Verband er den Wunsch, daß alle die Geistesklarheit erhalten mögen, die eintritt, wenn man mit anderen in Frieden lebt.

Buddha ließ von eitlem Reden ab, und mit diesem tugendhaften Streben verband er den Wunsch, daß alle lernen mögen, die Glückseligkeit, sich auch ohne große Worte zu verstehen, zu erlangen.

Buddha, der diese Ziele anstrebte, übte sich, von Begierden frei zu sein, und mit diesem tugendhaften Streben verband er den Wunsch, daß alle Menschen die Friedfertigkeit kennenlernen mögen, die sich bei der Freiheit von jeglicher Begierde einstellt.

Buddha übte sich, den Haß zu vermeiden, und mit diesem tugendhaften Streben verband er den Wunsch, daß alle Menschen einander lieben mögen.

Buddha übte sich darin, die wahre Bedeutung der Dinge zu verstehen und Torheiten zu vermeiden, und mit diesem tugendhaften Streben verband er den Wunsch, daß alle Menschen das Gesetz des Karma verstehen und beachten mögen.

In diesem Sinne schließt das Mitgefühl des ewigen Buddha alle Menschen ein, und stets wünscht er, ihrem Glück dienlich sein zu können. Er liebt die Menschen wie Eltern ihre Kinder lieben, und er wünscht ihnen die höchste Glückseligkeit, nämlich daß sie fähig sein sollten, den Ozean von Leben und Tod zu überwinden.

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