Anjin-Do

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Freitag, 28. Mai 2010

Einfach nur Vertrauen


Liebe Dharmafreunde,

als Leiter einer Begegnungsstätte erhalte ich häufig Anfragen zum Buddhismus. Oft sind es Fragen in bezug auf Meditation und Erleuchtung oder ob wir etwas mit seiner Heiligkeit dem Dalai Lama zu tun haben oder ob ich wohl einen bestimmten Weg aus einer Lebenskrise wüsste, denn Buddhisten sind doch so gelassen und weise. Bei letzterer Aussage muss ich dann immer heimlich schmunzeln und verweise an entsprechende Fachkompetenzen, wie eine Telefonseelsorge.

Nun, ich bemühe mich dann, die mir gestellten buddhistischen Fragen nach bestem Gewissen zu beantworten und erlebe nicht selten die Enttäuschung in den Stimmen oder in schriftlichen Rückantworten, weil wir die Praxis der Meditation zum Zwecke der Erleuchtung nicht anbieten können . Auch das der Dalai Lama einer anderen Tradition angehört, wird von mir betont, was eigentlich schon wieder schade ist, den seine Popularität ist erfreulicherweise sehr groß. So erzähle ich also, dass wir zur japanischen Schule der Jodo Shinshu, mit unserem Oberhaupt seine Exzellenz Monshu Koshin Ohtani, gehören und nicht zur Gelugpa Tradition des tibetischen Buddhismus oder einer anderen buddhistischen Schule, die methodenhafte Übungen zur Geistesschulung, wie Meditation, anbieten.

Wenn ich also danach noch etwas Glück habe, wird mir die Chance eingeräumt, etwas über Shinran Shonin zu erzählen und von dem Buddha, den man Amida nennt. Aber es ist mir auch nicht selten passiert, dass ich nicht einmal soweit kam.

- „Keine Meditation“- seit ihr denn richtige Buddhisten?

In der Tat scheint es für den wesentlichen Menschen klar zu sein, das der Buddha und Buddhismus etwas mit Übung und Anstrengung zu tun haben muss und, und das ist wichtig, man davon ein ganz besonderer Mensch wird, vielleicht sogar ein Buddha! Häufig bestätigen ich auch diesen Gedanken und verliere aber völlig, wenn ich sage: „Ja der Jodo Shinshu Weg führt zur Buddhaschaft, aber nicht in diesem Leben“!

„Keine Buddhaschaft in diesem Leben? Keine Meditation? Ihr seid wirklich keine Buddhisten, oder?“

Wenn ich dann noch die Möglichkeiten bekäme, würde ich die Frage beantworten, aber zumeist ist es mir nicht mehr vergönnt.

„Ja, doch –ehrlich! Shinbuddhisten sind Buddhisten! Ganz bestimmt und ohne Zweifel!“

Aber wie unser Meister Shinran Shonin, sind wir an unsere Grenzen gestoßen, wenn es darum geht, um Erleuchtung zu ringen. Häufig haben wir, wie Shinran, den Weg der Meditation zuvor geübt, haben die unterschiedlichsten Meister aufgesucht und Ihnen zugehört, haben praktiziert und viele Reisen auf uns genommen, haben gelesen und studiert, um am Ende zu erfahren, wir sind nur Menschen und schaffen es nicht, der Sache mit der Buddhaschaft näher zu kommen.

Das große Sutra vom Reinen Land Amithabas, welches uns von Shakyamuni Buddha gelehrt wurde, erzählt uns von einem Weg zur Buddhaschaft, der für jene gedacht ist, die sich genau in einer solchen Situation befinden. Man macht und schafft und kommt keinen Schritt weiter. Shinran Shonin hat diese Erfahrung ebenfalls machen müssen und fand in Meister Honen, den Lehrer, der ihm dieses große Sutra vom Reinen Land in einer Weise erklärte, wie er es zuvor nicht gehört hatte. Der Kernpunkt dieser Erklärungen lag in den Worten von Meister Honen, „Sprich das Nembutsu und sei von Amida Buddha gerettet.“

Bis zu seinem Lebensende war dies für Meister Shinran Shonin der Satz, um den sich seine ganze Lehrauslegung zur Reinen Land Lehre drehte. Meister Shinran studierte, legte die Schriften aus und hat uns eine Großzahl von Texten hinterlassen, und so lag sein Ansinnen nur darin, uns auf Amida Buddha und seine Gelübde Kraft bzw. seinen Namen „Namo Amida Butsu“ hinzuweisen.

Die Erlangung der Buddhaschaft im Reinen Land, durch das Vertrauen in die Gelübde Kraft Amida Buddhas und seines Namens, macht die Essenz unsere Überzeugung aus. Als menschliche Wesen, mit allen karmischen Unzulänglichkeiten, bleibt uns der Weg der Heiligkeit (zum Beispiel durch Meditation)in diesem Leben versagt. So wird der Weg des Vertrauens und der Hingabe in das Nembutsu zum eigentlichen Zweck unserer Nicht-Praxis, wobei wir alle Lehren des Shakyamuni Buddha ehren, anerkennen und auch hören. Wir nehmen unsere Zuflucht zu den drei Juwelen und freuen uns, Teil der großen buddhistischen Gemeinschaft zu sein, denn wir alle folgen den Lehren des Buddha und wissen uns verbunden in gegenseitigem Respekt und Hochachtung.

Unser buddhistischer Weg ist der des Nembutsu und des Hörens auf den Dharma. Im Spiegel des Dharma Hörens erkennen wir unsere Unzulänglichkeit und werden der Stimme Amida Buddhas im Herzen gewahr, der uns zuruft, „Komm, wie du bist!“

Namo Amida Butsu

in Gassho

Euer Chisho

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