Anjin-Do

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Donnerstag, 30. Dezember 2010

"Das wortlose Nenbutsu"

"Das wortlose Nenbutsu"
Beitrag von Rev. Jotoku

Eine Frau, so ca Anfang 60, wartet mit ihren spastisch schwerbehinderten Sohn im Rollstuhl auf den Citybus. Der Fahrer kennt sie und fährt die Klappe im Boden aus, damit der Rollstuhl über die Kante kommt.
Es sitzt auch eine Nachbarin im Bus, alle begrüßen sich recht herzlich.
Der Sohn sagt nichts, ist sehr blass und man weiß nicht ob er seine Umgebung wahrnimmt.
Die Nachbarin fragt: "Wie feiert ihr Sylvester?"
Die Mutter: "Er," sie klopft dem Sohn auf die Schulter, "mag es besinnlich um Mitternacht. Da braucht er 10 Minuten. Mein Mann und ich gehen auf den Balkon und danach dürfen wir auch ihm ein gutes neues Jahr wünschen."
"Er will dann ins Bett und mein Mann und ich schauen bis vier Uhr früh fernsehen, das machen wir jedes Jahr so, bis uns die Augen zufallen."
Der Sohn versucht etwas zu sagen, was ihm sehr schwer fällt, aber die Mutter versteht ihn.
"Es hat für ihn immer etwas von Abschied nehmen, wenn das Jahr zu Ende geht. --- Wir müssen ja ständig von irgendwas Abschied nehmen.
Kurz vor Weihnachten ist sein bester Freund gestorben, der hat auch in der Behindertenwerkstatt gearbeitet wie er, aber als Gesunder. Dann hat er mit dem Fahrrad ein Auto gerammt, sie haben es sicher gelesen. Er war gleich tot, Genickbruch."
Nach einer Pause: -- "Er war 28 Jahre alt."
"Na ja, und er war auch Schuld, hat dem Autofahrer die Vorfahrt genommen."
Sie umarmt ihren Sohn der nach unten schaut und sagt: "Jetzt ist er traurig!" "Nichts bleibt, von allem müssen wir Abschied nehmen"
"Wir fahren jetzt mit dem Zug nach Salzburg ins Euro shoping Center und gehen bummeln."
Die Nachbarin: "Geht denn das"?
"Ja, sogar sehr gut, Vom Bahnhof Taxham sind es nur fünf Minuten zu Fuß und in dem Center sind sie recht gut eingerichtet. Wir freuen uns schon und er mag es wenn so viel los ist." --- "Er ist ja nicht krank, er hat nur bei der Geburt Pech gehabt!"

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