Anjin-Do

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Freitag, 24. Dezember 2010

Grußwort


Grußwort

唯佛一人獨第一   三界父母一切智
於一切等無與等   稽首世尊希有比
凡人行惠爲己利   求報以財而給施
佛大慈仁無此事   怨親憎愛以等利

YUI-BUTSU-ICHI-NIN-DAI-ICHI
SAN-GAI-FU-BŌ-IS-SAI-CHI
O-IS-SAI-TŌ-MU-YO-TŌ
KEI-SHU-SE-SON-KE-U-HI

BON-BU-GYŌ-E-I- KO-RI
GU-HŌ-I-SAI-JI-KYŪ-SE
BUTSU-DAI-JI-NIN-MU-HI-JI
ON-SHIN-ZŌ-AI-I-TŌ-RI

Allein der Buddha ist der Allerhöchste,
Vater und Mutter der drei Welten, alles wissend,
Unter allen Wesen ist nicht seinesgleichen.
Ich verneige mein Haupt vor dem Unvergleichlichen, dem Weltgeehrten

Der gewöhnliche Mensch übt Güte, um sich selbst zu nutzen,
da er nach Vergeltung strebt, spendet er sein Vermögen.
Der Buddha handelt aus großem Mitgefühl nicht so,
er hilft in gleicher Weise denen, die ihm grollen oder die ihm nahestehen, die ihn hassen oder lieben.

(Ein Preislied auf den Buddha, überliefert über Nāgārjunas Große Weisheitsabhandlung) (T.1509, 94a27)

Der Bodhisattva Kannon hört die Rufe der Welt. Aber was hört er in diesen Tagen? Was findet er in diesen geschäftigen vorweihnachtlichen Treiben, das voller Erwartungen und Stimmungen ist?

Die Menschen sind unterwegs, um sich gegenseitig ein Gefühl der Nähe zu bereiten. Man schenkt sich, man feiert, man weiß, wo man hingehört. Wenn alles gut geht, bleibt ein positiver Eindruck zurück. Oft geht aber auch etwas schief. Man befindet sich in allzu großer Nähe mit Menschen, zu denen man sonst etwas Abstand hat. Man spürt die Differenzen, es kommt zum Streit. - Wieder andere Menschen spüren in dieser Zeit, dass sie zu überhaupt keinem Menschen eine größere Nähe besitzen. Das Fest macht ihnen das schmerzhaft bewusst. Der Bodhisattva Kannon hört wohl gerade in der Weihnachtszeit sehr viele schmerzliche Rufe.

Je mehr wir uns so wie die „gewöhnlichen Menschen“ aus den obigen Versen verhalten (die wir natürlich sind) desto wahrscheinlicher ist, dass das Fest für uns scheitert. Wenn man nur Geschenke kauft, um gleich wieder positive Erfahrungen in Form von „Weihnachtsstimmung“ zurückzuerhalten, ist die Motivation sehr seicht und die Gefahr der Enttäuschung sehr groß.

Aber man kann Weihnachten auch anders nehmen: Der immergrüne Weihnachtsbaum mit den leuchtenden Kerzen ist ein wunderbares Symbol. Beständig zu sein – Sommer und Winter gegenüber gleichgültig zu sein, das ist genau die Eigenschaft, die nach dem zweiten Vers den Buddha auszeichnet. Der Buddha ist, wie man auf Deutsch sagen kann, allen Wesen jederzeit grün. Er lässt sich durch nichts in seinem Wirken beirren. Auch die Kerzen, die in diesen kürzesten Tagen in nördlichen Ländern so wichtig sind, sind ein Symbol für das Licht, das wir aus dem Namen des Buddha Amida kennen.

Man versteht hier vielleicht: Weihnachten kann man nicht nur christlich oder säkular, sondern auch buddhistisch feiern kann.

In Gassho,

Euer Marc Nottelmann-Feil.

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