Anjin-Do

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Donnerstag, 20. Januar 2011

Ein Dharmavortrag zur 750. Gedenkfeier für Shinran



von Prof. Rev. Toshikazu Arai

Weil zu Shinrans 750. Gedenkfeier in den Jodo Shinshu Tempeln und in Jodo Shinshu Gruppen auf der ganzen Welt Andachten gehalten werden, möchte ich darüber nachdenken, was er für unser Leben im einundzwanzigsten Jahrhundert beiträgt. Shinran starb am 28. Tag des elften Monats des Mond Kalenders im zweiten Jahr der Ko¬cho Ära, welcher der 16. Januar 1263 ist. In Japan haben vor diesem Datum fast alle Tempel eine Gedenkfeier für Shinran Shonin. Es ist das wichtigste Ereignis des Jahres, an dem man das Sutra rezitiert und Dharma Reden hört. Es ist bekannt als „Ho-on-ko“, was heißt, Zusammenkommen zur Anerkennung unserer Pflicht gegenüber Shinran Shonin – den Pfad des Buddhas, der für Gewöhnliche gangbar ist, zu öffnen.
Als Shinran starb, war seine Tochter Kakushinni an seinem Totenbett und sandte drei Tage später einen Brief an ihre Mutter Eshinni, die in Echigo war, ungefähr 600 km von Kyoto entfernt. Darin informierte sie sie vom Tod Shinrans. Dieser Brief ist für uns verloren, aber Eshinni´s Antwort darauf wurde in der Bibliothek des Hongwanji bewahrt. Der Brief beginnt mit den Worten, „ Ich las Deinen Brief vom ersten Tag des 12. Monats, etwas nach dem 20. des selben Monats.“ Der Satz der folgt sagt: „ Es ist ohne Zweifel, dass Dein Vater die Geburt ins Reine Land erlangt hat. Es ist nicht einmal nötig es nochmals zu erwähnen.“Danach schreibt sie ihrer Tochter von einigen Begebenheiten aus den frühen Jahren Shinrans, um zu verdeutlichen, warum sie denke, dass seine Geburt ins Reine Land unzweifelhaft ist.

Zuerst erzählt Eshinni wie Shinran den Berg Hiei verließ und sich in den hexagonalen Pavillon („Rokkakudo“) zurückzog, um für sein Nachleben zu beten. Gegen Ende des 95. Tages erschien Prince Shotoku in der Inkarnation des Bodhisattvas Avalokitesvara und gab Shinran einige Anweisungen. Wir wissen nicht genau welche Anweisungen es waren, aber sofort danach suchte Shinran Honen auf und besuchte seine Nembutsu Halle jeden Tag für hundert Tage am Stück, ob es regnete oder die Sonne schien. Danach entschied er, dass er sich völlig der Lehre der ausschließlichen Praxis des Nembutsu Honens anvertrauen würde und er gehen würde, wohin Honen ging, egal was andere über Honens Lehre sprachen.

Dann erzählte Eshinni von einem Traum, den sie hatte, während sie mit Shinran an einem Ort namens Shimotsuma in der Hitachi Provinz (nordöstlich von Kyoto) weilte. Shinran mag in den Vierzigern gewesen sein zu jener Zeit. In ihrem Traum sah sie am Tor eines Schreines zwei Buddha Gemälde hängen. Einer von ihnen hatte ein Antlitz das Licht ausstrahlte und der andere ein normales Gesicht. Als sie sich wunderte, wer diese Buddhas waren, hörte sie eine Stimme, die ihr sagte, dass der mit dem lichtaussendendem Gesicht Honen war, in der Inkarnation des Bodhisattvas Mahasthamaprapta, das Element von Amidas Weisheit. Die Stimme fuhr fort, der andere Buddha sei Shinran in der Inkarnation Avalokitesvara, das Element von Amidas Mitgefühl. Am nächsten Tag erzählte sie ihrem Mann nur vom Buddha mit dem leuchtenden Gesicht. Shinran antwortete ihr, „Es gibt viele Arten von Träume, aber dieser erzählte dir die Wahrheit. Ich habe gehört, dass Honen eine Inkarnation des Bodhisattva Mahasthamaprapta ist“. Wie dem auch sei, sie erzählte ihrem Mann nicht vom anderen Buddha und behielt es ihr ganzes Leben lang für sich, innerlich aber verehrte sie ihren Mann als Inkarnation des Bodhisattva des Mitgefühls.
Nach diesen Erzählungen berichte Eshinni ihrer Tochter Kakushinni weiter, „Das ist der Grund, unabhängig davon wie er starb, es gibt keinen Raum für Zweifel daran, dass Shinran Shonin die Geburt ins Reine Land erlangt hat.

Urteilend von Eshinni´s wiederholter Versicherung, dass Shinran Shonin die Geburt ins Reine Land erlangt hatte, schien ihre Tochter Kakushinni ein wenig Zweifel daran zu haben. In jenen Tagen glaubten die Menschen, dass wenn ein tugendhafter Priester starb, rosafarbige Wolken am Himmel vorüberzogen, himmlische Musik zu hören war und der Geruch von Sandelholz den Raum erfüllte. Das war, wie man glaubte, wie Buddhas und Bodhisattvas starben. Wie auch immer, vermutlich traten solch außergewöhnlichen Dinge bei Shinrans Tod nicht ein. Er starb einen normalen Tod oder den Tod eines ganz normalen Menschen. Darum war Kakushinni etwas verstört.

Das aber ist der wichtigste Teil für uns an dieser Geschichte. Wäre er gestorben, wie ein Buddha gestorben wäre, so wäre er von uns sehr verschieden gewesen. Er wurde als Sohn in eine weniger wichtige aristokratische Familie hineingeboren, trat mit 9 Jahren in ein Kloster auf dem Berg Hiei ein, studierte und praktizierte, während er die Gelübde hielt, zwanzig Jahre und scheiterte doch mit der Erlangung der Buddhaschaft in seinem Leben. Nachdem er Honen traf, wurde er von den Worten seines Lehrers ermutigt, das Leben weniger schwierig zu gestalten in dem er das Nembutsu sprach und er entschied sich eine Frau zu nehmen. Während er sein Verständnis der Nembutsu Lehre vertiefte, hatte er eine Familie, lebte ein normales Leben und starb eines normalen Todes.

Auf diese Weise demonstrierte er seine ganzes Leben lang, dass die Lehre vom Nembutsu des Grundgelübdes wirklich funktioniert, indem er es selber vorlebte.
Shinran hat ebenso bewiesen, dass wenn ein ernsthafter Nembutsu Anhänger stirbt, dass dieser Moment die Perfektion seines Nembutsulebens ist und es die Erlangung der Geburt ins Reine Land bedeutet. Das ist der Moment des Triumphes über Leben und Tod und somit ein Anlass zum Feiern.

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