Anjin-Do

Anjin-Do

Samstag, 15. Januar 2011


Liebe Freunde im Dharma,

häufig werden wir gefragt, wie Shinbuddhisten ihre „Nichtpraxis“ in den Alltag integrieren und wie ihre Spiritualität sie begleiten kann. Neben den offiziellen Angaben von Andachten halten und den Tempel oder die Dharma Gruppe zu besuchen, möchte ich einen kleinen Einblick in meinen Alltag mit dem Nembutsu geben. Ehrlich gesagt ist dies ja auch das Einzige, was ich beschreiben kann, denn jeder hat seine eigene und ganz persönliche Weise „seine“ Spiritualität zu leben.

Wenn in der Frühe mein Wecker klingelt und ich etwas gequält den Weg aus dem Bett finde, so führt mich dieser Weg in die Küche, vorbei an meinem Butsudan, um mir einen dringend notwendigen Kaffe zu kochen. Es mag sein, dass es schon Gewohnheit ist, aber während des Vorbeischlurfens an Amidas Butsudan, neige ich automatisch meinen Kopf und denke ein „Namanda“, denn zu mehr bin ich um diese Zeit nicht in der Lage. Leidenschaftlich wie ich bin, brauche ich erst einmal eine Kaffe und - ja doch - auch meine Zigaretten. Ohne diese Drogen, könnte ich, wenn angesprochen, sehr unbuddhistisch reagieren. Nach dem ersehnten Erwachen (nach Kaffe und Nikotin)bemühe ich mich wie wohl die meisten Menschen in das Badezimmer und komme mit halbwegs klarem Kopf wieder heraus. Hunde versorgen, Frühstück machen und E-Mails lesen folgen dann.

Wie bereits erwähnt, liegt mein „Home Butsudan“ auf dem Weg zur Küche und, ich zähle es nicht, aber musste derweil unzählig Male daran vorbei gehen. Ob ich es will oder nicht, aber der Buddha schaut mir zu, bei fast allem was ich am Morgen mache. Während der Gassi Runde mit den Hunden taucht dann wieder dieses „Namanda“ in meinem Kopf auf und wie als wollte ich antworten, beginne ich mit Eigenkraft „Namo Amida Butsu“ zu sagen. Mit Eigenkraft meine ich, es bewusst zu sprechen, in voller Länge und mit wacher Stimme. Meine Hunde kennen das ja schon, nur manch anderer Hundebesitzer mag sich fragen, was für ein Kommando für Vierbeiner das wohl sein mag, denn nicht immer bekomme ich mit, wenn jemand direkt hinter mir her geht. Egal, ich muss mich beeilen und mein Büro wartet schon. Ab ins Auto und den Zündschlüssel umgedreht. Der CD Spieler startet automatisch und tönt „ Ki Myo Mu Ryo Ju Nyo ra-i“. Ohne der Rezitation weiter Beachtung zu schenken fahre ich los, aber jeder kennt es sicher, dass wenn man einen Song im Radio hört, man irgendwann still mitsingt und vom Sound gefangen wird.

Bis zu meiner Dienststelle geht es mir dann genau so. Das ganze Shoshinge ist auf der kurzen Strecke nicht zu schaffen, aber ich muss ja noch am Abend zurück nach Hause. Meine Arbeitszeit zu beschreiben, würde sicher zu weit führen und mit Sicherheit sehr langweilig sein, doch dieses „Namanda“ im Kopf taucht immer wieder einmal auf und scheint erst Ruhe geben zu wollen, bis ich endlich darauf antworte. OK – „Namo Amida Butsu“ !! - Ich denke an Dich Buddha!
Besonders häufig kommt dies vor, wenn der Stress des Alltages heftiger wird und ich Gefahr laufe völlig in diesem Stress unterzugehen und gefangen zu sein. „Namanda“ klingt dann wie „besinne dich auf das wirklich Wichtige“ und mein geantwortetes Nembutsu bedeutet dann soviel wie „Danke, dass Du mich erinnerst“!

Nun, auch der längste Arbeitstag geht einmal zu Ende und auch das Shoshinge im Auto hat jetzt seine Chance ganz gehört zu werden. Nach Hause kommen, Hunde begrüßen, füttern, Gassi gehen und – na klar –„Namanda“. Abendbrot vorbereiten, dem Freund erzählen, wie der Tag war, Nachrichten schauen und Mails beantworten – kein „Namanda“!
Irgendwann am Abend muss man dann der Anstrengung des Tages Tribut zollen und auch ich kämpfe oft damit, ob ich nun noch eine kleine Andacht halten sollte oder eher nicht. Kriege ich das noch hin oder bin ich schon zu müde? Manchmal ist die Antwort – he ich bin Shinbuddhist und müssen muss ich doch gar nichts, also ab ins Bett und Licht aus, aber wie sollte es auch anders sein als mit „Na-man-da-bu“ – natürlich!

Die Andacht halte ich dann vielleicht am morgigen Tag!

In Gassho
Euer Chisho Frank

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