Anjin-Do

Anjin-Do

Sonntag, 6. Februar 2011

Die Bedeutung des Gelübdes



Übersetzung M.Nottelmann-Feil

Um zu erklären, warum die Anrufung des Namens dem Grundgelübde jenes Buddha
entspricht, müssen wir den Ursprung des Grundgelübdes erzählen: Vor langer Zeit, als der Tathāgata Amida noch nicht zum Buddha geworden war, war er ein Mönch mit Namen
Dharmākara. Damals lebte auch ein Buddha namens Lokeshvara-rājā. Der Mönch
Dharmākara hatte schon den Erleuchtungsgeist entwickelt und dachte daran, zum Wohle der Wesen, ein reines Land zu begründen. Darum trat der vor den Buddha [Lokeshvara-rājā] und sprach: „Ich habe bereits den Erleuchtungsgeist entwickelt, und denke daran ein reines Buddhaland zu begründen. Ich bitte Dich, o Buddha, lehre mich all die unermesslichen wunderbaren Taten, die ein Buddha-Land ausschmücken!“

Zu dieser Zeit erklärte der Buddha Lokeshvara-rājā alle guten und schlechten [Eigenschaften] der Menschen und Götter in den reinen Ländern von 21 Milliarden Buddhas, er erklärte die unvollkommenen und wunderbaren [Seiten] jener Länder und ließ sie allesamt [vor Dharmākara] in Erscheinung treten. Der Mönch Dharmākara hörte und sah dies. Das Schlechte sonderte er aus, das Gute übernahm er; das Unvollkommene verwarf er und Wunderbare erstrebte er [für sein Land]. Die Länder beispielsweise, in denen es die drei schlechten Daseinsbereiche gibt, sonderte er aus und übernahm [ihre Gründungsgelübde] nicht. Eine Welt ohne die drei schlechten Daseinsbereiche wünschte er sich und übernahm [diesen Wunsch in sein Gelübde]. Alle übrigen Gelübde, so sollte man wissen, wurden in entsprechender Weise aufgestellt.

Aus diesem Grunde wählte er von 21 Milliarden Buddhaländern die ausgezeichneten Seiten aus und begründete das Land der Höchsten Freude. Es war, wie wenn [ein Künstler] an den Ästen eines Weidenbaumes Kirschblüten blühen ließe, oder wenn er die Bucht von Futami neben den Kiyomi-Pass stellte.
Diese Auswahl war nicht der Plan eines Augenblicks, sondern er dachte fünf Äonen lang
darüber nach, und gelobte dann, ein reines, auf feinste Weise geschmücktes Land zu
begründen. Aber er dachte noch weiter: „Ein Reines Land begründet man, um die Wesen
[dorthin] zu führen. Denn wie wunderbar ein Land auch sein mag! - Wenn es für die
fühlenden Wesen schwer ist, dorthin geboren zu werden, so widerspräche das der Absicht eines großen Gelübdes, das aus großem Mitgefühl entsteht. Würde ich besondere
Bedingungen für die Hingeburt im [Land der] Höchsten Freude aufstellen, so wären all die [entsprechenden] Übungen nicht einfach. - Wenn ich die liebende Fürsorge der Kinder für Vater und Mutter [als Bedingung] voraussetzte, so könnten Wesen, die in der Kindespflicht nachlässig sind, nicht [im Land der Höchsten Freude] geboren werden. Wenn ich das Lesen und Rezitieren von [Sutren des] Großen Fahrzeugs verlangte, so können Wesen, die der Schrift nicht kundig sind, [auf Hingeburt] kaum hoffen. Wenn ich als Bedingung die Freigebigkeit oder das Bewahren von ethischen Regeln stellte, so wären die Geizigen bzw. die Leute, die diese Regeln brechen, ausgeschlossen. Wenn ich verlangte, man müsse sich in Geduld oder Tatkraft üben, so würde ich die Wesen mit zornigem oder trägem Charakter im Stich lassen.

Mit allen übrigen Übungen verhält es sich genauso. Um also alle gewöhnlichen
Wesen, ob gut oder böse, dahin zu bringen, dass sie in gleicher Weise dort geboren werden und dass sie sich dies auch wünschen, will ich als besondere Voraussetzung für die Hingeburt im Land der Höchsten Freude bloß die Bedingung stellen, dass sie die drei Silben des Heiligen Namens Amida anrufen.“
Und so stellte er, nachdem er die Sache in den fünf Äonen gründlich zuende gedacht hatte, zunächst das siebzehnte Gelübde auf, das da lautet: „Mögen alle Buddhas meinen heiligen Namen preisen!“ Dieses Gelübde sollte man gründlich verstehen! Da er mit seinem heiligen Namen alle fühlenden Wesen [ins Reine Land] geleiten wollte, gelobte er zuerst, dass sein Name gepriesen werden solle. Welchen Sinn hätte es andernfalls, dass [sein Name] von den Buddhas gepriesen werde, findet sich im Herzen eines Buddha doch keinerlei Verlangen nach Ruhm?

In diesem Sinne heißt es:

Der edle Name des Tathāgata ist unübertroffen, mitteilbar und klar,
er verbreitet sich in den Welten der zehn Richtungen,
Nur die, die den Namen sagen, werden alle Hingeburt erlangen,
Avalokistesvara und Mahasthamaprapta werden von selbst kommen, um sie zu
empfangen.

Als nächstes stellte er das achtzehnte Gelübde der Hingeburt durch das Nembutsu auf: Er wollte auch Wesen, die ihn nur zehnmal anrufen, hinübergeleiten. Wenn man wirklich
gründlich darüber nachdenkt, ist dieses Gelübde sehr umfassend und tief. Da der Name aus nur drei Silben besteht, könnte ihn selbst ein [Leidens]genosse des Cūdapanthaka leicht behalten. Die Rezitation hängt nicht davon ab, ob man geht, steht, sitzt oder liegt, sie ist unabhängig von Raum, Zeit oder besonderen Umständen, und es ist ohne Belang, ob ein Mönch oder Laie, ein Mann oder eine Frau, ein junger oder alter, guter oder böser Mensch sie ausführt. Wer sollte ausgeschlossen sein?

So heißt es:

Jener Buddha [=Amida] stellte während seiner Grundlegungsphase das weit
ausgebreitete Gelübde auf:

„Zu allen, die meinen Namen hören und meiner gedenken, werde ich kommen, um sie
zu empfangen. Nicht zurückweisen werde ich die Armen und Dürftigen, oder auch die Reichen und Hochgeborenen.
Nicht zurückweisen werde ich die Unwissenden oder die Hochbegabten.
Nicht12 zurückweisen werde ich die, die vieles hören und bewahren, und die
Vorschriften reinhalten, noch die, die die Vorschriften13 gebrochen haben und deren Sünden tief verwurzelt sind.
Wenn ein Wesen sein Herz umwendet und das Nembutsu für unübertroffen hält,
so ist es, wie wenn sich Ziegel und Geröll in Gold verwandeln.
8 vgl. Yuishinshō Mon’i, Erläuterungen zu Yuishinshō, Otani Universität, Kyoto 1999 [Ockochi], S.29-37 9 Cūdapanthaka (auch Cūlapanthaka u.ä.) war von seinem älteren Bruder angeregt worden, in den Orden des Buddha einzutreten. Dort erwies er sich aber als so untalentiert, dass er selbst in vier Monaten nicht imstande
war, einen einzigen Vers auswendig zu lernen. Er wollte schon das Mönchtum aufgeben, aber der Buddha riet ab und übertrug ihm stattdessen Putzaufgaben. Auf diesem Wege wurde er Arhat.

Dies steht in scharfem Gegensatz zu den religiösen Übungen von Shingon oder Tendai, bei denen die Körperhaltung und dgl. immer genau vorgeschrieben ist.
11 vgl. [Okochi] , S.43-47
12 vgl. [Okochi], S.48-55
13 die Vorschriften, die ein Laie ein Mönch usw. für sich angenommen hat. Die deutsche Übersetzung des Yuishinshō-Mon’i übersetzt das mit „Gebote“. Das Wort Sünde übernehme ich ebenfalls aus dieser Übersetzung, obwohl ich mir bewusst bin, dass es von einer umfangreichen psychologischen Literatur beinahe gebrandmarkt
wird.

14 Standardübersetzung: oftmals das Nembutsu spricht. Die vorliegende Übersetzung folgt Shinrans Kommentar.

Dies ist die Hingeburt durch das Nembutsu.

Keine Kommentare: