Anjin-Do

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Montag, 28. Februar 2011

Eine etwas kritische Betrachtung des „Buddhistischen Dummkopfs“


v. Rev. Jotoku Th. Moser

Auch in neueren Shin Publikationen wird immer wieder Wert darauf gelegt uns in Erinnerung zu rufen, dass wir hoffnungslose, unfähige Wesen der schlechtesten Art sind, bildlich gesprochen, nicht den Dreck unter den Fingernägeln wert.
Shinran wollte uns damit unsere Unzulänglichkeit verdeutlichen und sagen, wir „normale“ Menschen sind nicht aus eigener Kraft in der Lage die Befreiung zu erlangen.

Rennyo meinte wohl er müsse das noch etwas drastischer ausdrücken.
Heute, als ein in der westlichen Kultur des 21. Jahrhunderts integrierter (Shin) Buddhist, sehe ich diesbezüglich zwei Ebenen die es zu reflektieren gilt.
1, Ich bezeichne mich selbst als „Bombu“ Dummkopf und, etwas übertrieben, „Nichtsnutz.“

Das ist dann wie mit dem bekannten Descartes Zitat: „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ Sobald ich es ausspreche zeige ich dass ich sehr wohl etwas zu wissen glaube und im gleichen Moment zeige ich meiner Umwelt damit, dass ich wirklich nichts weiß.
Sich selbst im religiösen Kontext als „minderwertig“ zu bezeichnen ist pure Eitelkeit und Selbstgefälligkeit.

2, Ich werde von anderen als Dummkopf bezeichnet, von Autoren die Shinran, Rennyo oder andere Grundlagenschriften zitieren und die mir damit zeigen wollen als was ich mich zu verstehen habe, wenn ich dem Nenbutsu Weg, dem Weg des Vertrauens, folge.
Auch wenn das sicher als geschicktes Mittel (uppaya) gemeint ist, so bleibt doch ein unangenehmes Gefühl zurück. Nicht jedes Mittel heiligt den Zweck.
Und es hat einen unschönen Nebeneffekt. Ich kann mir gut vorstellen, dass die in der Jodo Shinshu so sprichwörtliche Unachtsamkeit, die manchmal ja richtig gepflegt wird, als ob sie notwendig sei um ein richtiger Shin Buddhist zu sein, von dem angelernten Bewusstsein her rührt, ein hilfloses niederes Wesen zu sein.
Wie geht es mir damit?

Ich gehe den Weg der Lehre Buddhas. Ich kenne die Grundlagen und weiß für mich, nur das Nenbutsu, das Vertrauen in Amida, den Buddha der Barmherzigkeit kann mich retten. Dieses Urvertrauen ist, wie ich weiß, nicht mein eigenes Vertrauen in etwas, sondern das in mir erwachsende tiefe unergründliche Vertrauen, das meine ganze Existenz umfasst.

„Der Buddha ruft sich selbst in mir zur Befreiung,“ wie es Volker Zotz formuliert.
„Mögen alle Wesen glücklich sein.“ Ich bin eines von ihnen.
Es ist gut das Leidvolle unserer Existenz zu erkennen, die Ursachen dafür immer wieder zu reflektieren, aber auch die Möglichkeit der Überwindung des Leidens wahr zu nehmen und sich dessen bewusst zu werden.
Niemand geht verloren.

Und niemand ist so minderwertig das er keinen anderen Weg als den des Nenbutsu gehen könnte. Vergessen wir dieses ganze Ego-Geplänkel der Selbstbezichtigung und die Besserwisserei. Verzichten wir darauf durch diese „Erniedrigungen“ so etwas wie „Gottesfurcht“ in die Lehre des Buddha einführen zu wollen.
Ich will mich frei, mit klarem Geist und ganz bewusst entscheiden diesen Weg der Nenbutsu Lehre des Vertrauens zu gehen. Nicht weil ich zu keiner anderen Praxis fähig wäre, sondern weil dieser Weg für mich der passende ist und alles enthält was uns Buddha Gotama dargelegt hat. Shinran Shonin, wie auch sein Lehrer Honen Shonin sagen nichts anderes.

„Mögen alle Wesen glücklich sein.“

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