Anjin-Do

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Montag, 18. Juli 2011

Buddha lehrt das Ullambana-Sutra

盂蘭盆經


So habe ich gehört. Einst weilte der Buddha im Jeta-Hain, dem Garten Anâthapindadas, zu Shrâvasti[i]. Damals hatte der Große Maudgalyâyana erstmals die sechs Höheren Geisteskräfte[ii] erlangt und es verlangte ihn danach, die Eltern zur Befreiung zu führen, um ihnen die Güte des Aufziehens zu vergelten. Also richtete er sein Dharmaauge auf die Welt.

Da sah er, wie seine verstorbene Mutter unter den Hungergeistern weilte: sie fand weder Essen noch Trinken und bestand nur noch aus Haut und Knochen. Maudgalyâyana war sehr betrübt. Er füllte eine Schale mit Reis, ging zu ihr und brachte sie ihr dar. Die Mutter nahm die Reisschale an, und während sie in der Linken die Schale hielt, griff ihre Rechte nach dem Reis . Aber die Speise hatte noch nicht ihren Mund erreicht, da verwandelte sie sich und wurde zu glühenden Kohlen, sodass sie nicht imstande war zu essen. Maudgalyâyana schrie laut auf und begann bitterlich zu weinen. Eilends kehrte er zum Buddha zurück und bat ihn, er möge ihm den Sachverhalt erklären.

Der Buddha erwiderte: "Deine Mutter ist hart gefesselt von ihren karmisch verunreinigten Sinnesorganen. Du als einzelner kannst mit deiner Kraft nichts ausrichten. Zwar mag deine Stimme der Kindespflicht die Gottheiten bewegen, aber auch die Gottheiten des Himmels und der Erde, die Teufel, die Brahmanen und die vier Himmelskönige können nichts tun. Erst durch die spirituelle Kraft der Mönche in den Zehn Richtungen kannst du Befreiung erwirken. Ich werde dir jetzt eine Methode zur Rettung erklären, die von aller Not, allem Leiden frei macht, die alles negative Karma beseitigt und auslöscht."

Und Buddha sprach zu Maudgalyâyana: "Wenn die Mönche in den Zehn Richtungen am fünfzehnten des siebten Monats ihre freiwillige Bußübung halten, soll man für jene, deren Eltern und Voreltern bis zur siebten Generation in Not geraten sind, Reis in hundert Geschmacksvarianten anrichten, Früchte und Wassergefäße, Duftöl und Kerzen bereitstellen, Teppiche und Bettzeug ausbreiten. Alle Wohlgeschmäcke der Welt möge man in die Schalen füllen und den verdienstvollen Mönchen in den Zehn Richtungen darbringen. An jenem Tag sollen alle Heiligen, ob sie in den Bergen Versenkung üben oder die Frucht der Vier Pfade[iii] erhalten haben, ob sie unter einem Baum Sutren rezitieren oder mit der Freiheit der sechs Kräfte Pratyekabuddhas und Hörer belehren, ob sie Bodhisattvas der Zehn Stufen, Manifestationen großer Wesen oder gewöhnliche Mönche sind- sie alle mögen unter der Menge weilen und gleicherweise ihren Geist einsrichten. Wenn sie den Reis der Bußstunde empfangen, sollen sie die Reinheitsgelübde abgelegt haben, auf dass der Weg der Heiligen durch ihre Verdienste vermehrt werde. Wer diesen Mönchen in der Bußstunde Gaben darbringt, dessen gegenwärtige Eltern, Voreltern bis zur siebten Generation und Verwandte in den sechs Graden entkommen den Leiden der drei niederen Pfade, sie erlangen Befreiung und haben Kleidung und Essen nach Belieben. Falls seine Eltern noch leben, werden sie hundert Jahre glücklich sein, falls sie schon gestorben sind, werden sie und die Voreltern bis zur siebten Generation in einem Himmel wiedergeboren: Spontan sich wandelnd, treten sie ins Blumenlicht des Himmels und empfangen unermessliche Freuden."

Zu dieser Zeit richtete sich der Buddha an die Mönche der Zehn Richtungen: "Ihr alle sollt zuerst für die Famlien der Spender beten, denkt an deren Vorfahren bis zur siebten Generation und haltet euren Geist fest darauf gerichtet! Erst dann sollt ihr das Essen zu euch nehmen." Als es nun Zeit war, die Schalen zu empfangen, stellte man sie vor das Podest, auf dem der Buddha weilte und die Mönche zitierten Gebete. Als sie geendet hatten, nahmen sie das Mahl zu sich. Zu dieser Zeit empfand Maudgalyâyana und alle großen Bodhisattvas der großen Versammlung tiefe Freude. Maudgalyâyanas Jammern und Weinen war von selbst verschwunden. In dieser Stunde erlangte Maudgalyâyanas Mutter und im Verlauf des Tages die Hungergeister eines ganzen Kalpas Erlösung von ihren Leiden. Zu dieser Stunde wandte sich Maudgalyâyana abermals an den Buddha: "Die Eltern deiner Jünger haben die Kraft der Verdienste der drei Juwelen erhalten. Dies kommt von der spirituellen Kraft der Mönche. Wenn sich die Buddhajünger in der künftigen Welt in Kindespflicht üben wollen, sollen sie dann diese Ullambana-Zeremonie durchführen und können sie damit ihre gegenwärtigen Eltern und Voreltern bis hin zur siebten Generation befreien oder nicht?"

Der Buddha erwiderte: "Fürwahr, gut und erfreulich ist deine Frage! Du fragst etwas, was ich erklären will. - Guter Sohn! Falls Mönche und Nonnen, Könige, Kronprinzen und Königskinder, Minister, Kanzler und geheime Staatsräte, Beamte und einfache Bürger sich in Kindesliebe üben möchten, sollen sie für ihre Eltern und Voreltern bis zur siebten Generationen an jenem fünfzehnten des siebten Monats, dem Tag, der Buddha freut, dem Tag der freiwilligen Buße der Mönche, Speisen und Getränke in hundert Geschmacksvarianten in die Ullambana-Schalen füllen und diese den Mönchen der Zehn Richtungen darbringen. Wenn sie darum bitten, wird das Leben ihrer gegenwärtigen Eltern hundert Jahre währen, nicht wird sie Krankheit treffen noch irgendeine Qual. Die Voreltern bis zur siebten Generation werden von den Leiden eines Hungergeistes befreit und unter den Göttern wiedergeboren, so wird ihr Glück grenzenlos sein."

Der Buddha sprach : "Ihr guten Söhne und Töchter, die Ihr Buddhas Jünger seid! Wenn ihr die Kindespflicht erfüllen wollt, denkt jederzeit an eure Eltern und Voreltern bis zur siebten Generation[iv]. Alljährlich aber am fünfzehnten des siebten Monats mögt ihr aus Kindesliebe und ?pflicht ihrer eingedenk, die Ullambana-Feier halten: opfert dem Buddha und den Mönchen und vergeltet so die Liebe und Fürsorge der Eltern. Wer Buddhas Jünger ist, soll diese Lehre wahren."

Dies hörten der Ehrwürdige Maudgalyâyana und die Jünger- Mönche und Laien, Männer und Frauen. Sie freuten sich und brachten dem Buddha ihre Verehrung dar.
[i] zur Zeit des Buddhas die Hauptstadt des Königreichs Kaushala, welche als die blühendste Stadt Nordindiens galt. Der Jetavana-Hain, im Süden an die Stadt grenzend, hat seinen Namen vom Prinzen Jeta. Sudatta, ein reicher Kaufmann, erwarb den Hain zu einer horrenden Summe und stellte ihn den buddhistischen Mönchen zur Verfügung. Insgesamt vierundzwanzigmal hat der Buddha hier die Regenzeit verbracht. Da Sudatta auch sonst als gutherzig galt, nannte man ihn auch Anâthapindada, "der den Einsamen Essen gibt".

[ii] Die 6 Höheren Geisteskräfte (p. Adhinna) sind die magischen Kräfte (iddhi), das himmlische Ohr (p. Dibba-sota), das Durchschauen der Herzen anderer (parassa cetopariyanânana), das Himmlische Auge (dibbha-cakkhu), die Erinnerung an frühere Daseinsformen (pubbe nivâsânussati), die Triebversiegung (âsavakkhaya). Mahâmaudgalyâyana galt in diesem Bereich als der herausragende Schüler des Buddha.
[iii] Die vier Stufen der Heiligkeit im Theravada: die Frucht des Stromeintritts (sotapâtti-phala), die Frucht der Einmalwiederkehr(sakadâgâmî-phala), die der Niewiederkehr (anâgâmî-phala), die der Heiligkeit d.i. Arhatschaft (arahatta-phala).
[iv] Andere Überlieferung: … sollt ihr in jedem Augenblick stets an eure Eltern denken und den Vorfahren bis zur siebten Generation Gaben darbringen (sic!).

Dank dem Übersetzer Marc Nottelmann - Gasshô

http://www.eko-haus.de/nottelmann/ullambana.htm
chin. 盂蘭盆經, Yúlánpénjīng; jap. Urabon kyō; viet. Vu lan bồn kinh;ap. Kor. 우란분경, Uranbun gyeong.

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