Anjin-Do

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Montag, 4. Juli 2011

Tannisho Kapitel 8 und 9


Deutsche Übersetzung: Tannisho.pdf
Ü: Muneto Sonoda (§1-§7), Takao Aoyama (§8-§12)

[8]
Das Nembutsu ist für die Praktizierenden weder eine Übung noch ein gutes Werk. Es
ist Nicht-Übung, weil es geleistet wird, ohne dass man es sich selbst zurechnet
(hakarai). Und weil es ohne Selbst-Zurechnung ausgeführt wird, ist es auch kein gutes
Werk.

Das Nembutsu ist ausschließlich von der Anderen Kraft hergeleitet; von der Eigenen
Kraft ist es ganz und gar entfernt. Deshalb ist das Nembutsu weder Übung noch ein
gutes Werk.

[9]
Einmal fragte ich ihn: ”Wenn ich auch das Nembutsu spreche, verspüre ich doch selten
Entzücken oder Freude. Ich habe auch kein Verlangen, eilends ins Reine Land
hinzugehen. Woran liegt das nur?”

Er antwortete: ”Ich hatte im Herzen denselben Zweifel wie Du, Yuien. Wenn wir
darüber gründlich nachdenken, so müssen wir zur Einsicht gelangen, dass unsere
Hingeburt umso gewisser ist, gerade weil wir uns nicht einfach über das freuen
können, wofür wir eigentlich vor Freude auf Erden tanzen und zum Himmel springen
sollten.

Es sind die Leidenschaften, die uns bedrücken und nicht froh werden lassen, obwohl
wir uns eigentlich freuen sollten. Dies hat Buddha aber schon längst vorausgesehen
und uns als gewöhnliche Wesen voller Leidenschaften bezeichnet. Deshalb können wir
erkennen, dass das barmherzige Gelübde der Anderen Kraft gerade für solche Wesen
wie uns bestimmt ist, und fühlen uns dadurch zuversichtlicher.

Auch dies ist unseren Leidenschaften zuzuschreiben: Wir verlangen nicht danach,
eilends ins Reine Land zu kommen, und wir fühlen uns beklommen, vielleicht zu
sterben, wenn wir einmal ein bisschen erkrankt sind. Es fällt uns schwer, diese Heimat endlosen Leidens zu verlassen, in der wir seit unzähligen Weltperioden bis zum
heutigen Tag umherirren und nach dem Reinen Land der Ruhe und reichen Ernährung,
in das wir noch nicht hingeboren sind, können wir uns nicht sehnen: Wie stark
wuchern doch diese Leidenschaften! Mag der Abschied uns auch schmerzlich sein, wir
können in jenes Land erst eintreten, nachdem unsere Beziehungen zu dieser leidvollen
Welt erloschen sind und wir entkräftet auf das Ende zugehen.

Buddha Amida erbarmt sich im Besonderen gerade derer, die sich nicht danach
sehnen, schnell in Seinem Land geboren zu werden. Gerade deshalb können wir uns
dem Großen Gelübde der Barmherzigkeit anvertrauen und unserer Hingeburt sicher
sein.

Wenn man aber Entzücken und Freude empfinden sollte und sich nach schneller
Hingeburt sehnte, ist es doch zweifelhaft, ob man dies ohne Leidenschaft tut.” So
sprach Shinran.

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