Anjin-Do

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Mittwoch, 7. November 2012


Shinjin (27.09.2012 ) von Prof. Rev. Toshikazu Arai
 Übersetzung ins Deutsche von Rev. Ilona Evers

Zum Thema Shinjin (Vertrauen, Anvertrauen) gibt es immer wieder Fragen.
Neulich fragte mich eine Teilnehmerin meiner monatlich stattfindenden Dharma Klasse, „soll  ich daran glauben, dass Amida mich rettet?“ Meine Antwort dazu war: „Sie sollten Amida glauben, wenn er sagt, dass Sie gar nicht in der Lage sind, ihm zu glauben.“

Eine traditionelle Weise, die Rettung durch Amidas zu erklären, ist:
„Du musst überhaupt nichts tun. Amida tut alles was nötig ist um dich zu retten. Das Einzige was du zu tun hast, ist dich seinem Gelübde anzuvertrauen.“
Diese Erklärung überzeugt moderne Menschen oft nicht so ganz.
Ich erkläre Ihnen, was „anvertrauen“ bedeutet…Stellen Sie sich ein Baby vor, dass friedlich in den Armen seiner Mutter schläft. Tut das Baby nichts? Doch, das Baby vertraut sich an. Sich anzuvertrauen ist eine Menge Arbeit. Indem das Baby all seine Fähigkeiten einsetzt, versteht es, dass die Person, die es hält, vertrauenswürdig ist. Zwischen der Mutter und dem Baby gibt es eine dichte Kommunikation. Aber weder Mutter noch Kind sind sich dessen bewusst. Sollten Sie bezweifeln, dass stimmt, was ich sage, dann nehmen Sie der Mutter das Baby aus den Armen und halten es auf dieselbe Art und Weise. Höchstwahrscheinlich wird das Baby nun protestieren, weil es sich Ihnen nicht so anvertrauen kann wie seiner Mutter. Andererseits überlegt sich das Baby in den Armen seiner Mutter nicht ob es wirklich hundertprozentig sicher ist.

Das meine ich, wenn ich sage „Sie sollten Amida glauben, wenn er sagt, dass Sie gar nicht in der Lage sind, ihm zu glauben.“
Ein anderes Beispiel: in einer Höhle oder einem tiefen Loch sind wir uns vielleicht nicht sicher ob die Luft, die wir dort atmen, genug Sauerstoff enthält. Deshalb benutzen wir eine brennende Kerze. Solange diese brennt wissen wir, dass die Luft in Ordnung ist.
Andererseits denken wir im täglichen Leben nie darüber nach ob die Luft, die wir atmen, für uns sicher ist. Das ist eine Form des totalen Vertrauens in diese materielle Welt.

Der Unterschied zwischen der Luft und Amida besteht darin, dass wir die Luft mit unseren Sinnesorganen spüren können und Amida nicht. Die Liebe der Mutter wird sichtbar, wenn das Baby heranwächst (wenn sie eine gute Mutter ist). Von Amidas Liebe (oder Mitgefühl) wird gesagt, dass sie allumfassend ist und gleichzeitig allein deswegen existiert, um „mich“ zu retten. 

Amidas Liebe können wir nicht mit unseren Sinnesorganen spüren, sondern – so wird es gelehrt – nur mit den Augen der Weisheit, die wir von Amida bekommen.
Wir brauchen eine Menge Pflege und Fürsorge bis wir in der Lage sind, uns Amida wirklich anzuvertrauen. Und es ist Amida, der uns pflegt und umsorgt.
Ich habe das Gefühl, um Zuflucht zu Amida zu nehmen brauchen wir Intuition.
Ein eingefleischter Rationalist, der alles mithilfe der Logik verstehen will, hat es schwer zur Religion zu finden; denn die religiöse Logik arbeitet auf dem Gebiet der Transzendenz.

Wenn die Intuition eines Menschen ihm sagt, dass eine religiöse Lehre – wie Shinrans Lehre – sein Weg ist und wenn er sich entscheidet, sie zu akzeptieren, dann wird diese Lehre ihm sehr logisch erscheinen. Erst dann kann der Prozess des Hörens der Lehre und des Verstehen der Lehre im Licht seiner inneren Wirklichkeit ganz allmählich beginnen. Im Laufe dieses Prozesses, findet er sich dann irgendwann ergriffen vom Wirken Amida Buddhas.

Das nennen wir Shinjin.

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