Anjin-Do

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Sonntag, 16. Dezember 2012

Geht das?


Liebe Dharma Freunde,

Eine  sehr häufig gestellte Frage ist die; „Darf man in der Jodo Shinshu Tradition meditieren?“ oder „Darf ich auch das Herzsutra oder vielleicht buddhistische Mantra rezitieren? Kann oder darf ich andere buddhistische Methoden ausüben, wenn ich der Jodo Shinshu Sangha angehöre?

Nun, die Antwort ist relativ einfach. Wer sollte es denn verbieten können?
 In unserer Tradition des Buddha Dharma wird es wohl kaum jemanden geben, der diese Autorität hätte oder sie anwenden wollte, selbst wenn er es könnte. Jeder Mensch ist für sich in erster Linie verantwortlich und frei in seinen Entscheidungen und Handlungen.

Warum aber, so stellt sich dann die Frage, werden keine Elemente der anderen Schulrichtungen in unseren Gruppen oder im Anjin-Do praktiziert oder angeboten? Die Antwort ist ebenfalls einfach!
Weil wir in der Jodo Shinshu ausschließlich auf die andere Kraft des Hongan vertrauen und jede Form der Eigenkraft zu unterlassen versuchen.  Shinran Shonin verbrachte zwanzig Jahre damit den Weg der Heiligkeit zu gehen und wir dürfen davon ausgehen, dass er genau wusste was er tat und das mit sehr großem Einsatz seiner ganzen Persönlichkeit. Zwanzig Jahre übte und praktizierte er die schwierigsten Methoden of dem Berg Hiei und doch befand er sich am Ende in einer Sackgasse.  Er erkannte, dass er zu sehr gefangen war in seiner Menschlichkeit und litt extrem unter seinen allzu menschlichen Eigenschaften, die er selber als Leidenschaften (Bonno)bezeichnete.

So fand er schließlich zu Meister Honen, der ihm zum ersten Mal einen Weg aufzeigen konnte, der trotz allem Bonno, doch zur Erleuchtung führen würde. Meister Honen lehrte ihn; „Sprich das Nembutsu und sei von Amida gerettet.“  Von ihm lernte Shinran, dass die Gelübdekraft des achtzehnten Gelübdes jeden zur Befreiung führt, der den Namen des Buddhas ausspricht und sich seiner eigenen Unvollkommenheit bewusst wird. Sich seiner eigenen Unvollkommenheit bewusst zu werden heißt, zu erkennen, dass man nichts, aber auch gar nichts zur eigenen Erleuchtung beitragen kann, so sehr man sich auch darum bemühen mag. In meinem letzten Beitrag zum Shinshu Magazin sprach ich von unserer ICH-Vorstellung und davon, dass wir sie bis an unser Lebensende nicht loswerden können. Die ICH- Vorstellung aber nicht los werden zu können, bedeutet gleichzeitig, die Buddhaschaft nicht erlangen zu können. Denn das ICH will ja immer etwas. Entweder es will  etwas haben, oder aber es möchte etwas loswerden.

Nun, ich möchte nicht bezweifeln, dass es Menschen mit wenig Bonno und wenig negativem Karma gibt. Ich möchte ebenfalls behaupten, dass es Menschen gibt, die den Weg  der schweren Übungen gehen können und vielleicht sogar die Vollendung erreichen.  Doch ebenso bin ich mir sicher, dass es derer nur sehr wenige gibt und jeder muss für sich selber entscheiden, ob er zu den wenigen Fähigen gehört oder nicht.
Der Weg unseres Gründers Shinran Shonin ist der Weg für jene, die sich als völlig unfähig in Bezug auf die Erleuchtung erleben und dennoch bereit sind, den Dharma für sich als Wahrheit zu erkennen. Das Große Sutra, überliefert von Shākyamuni Buddha,  erzählt uns von der Möglichkeit zur Befreiung, durch den Weg des Vertrauens und des Nembutsu.  Der Weg des Nembutsu ist aber frei von jeder Kalkulation und Eigenkraft und mag es noch so ansprechend sein, sich mit Eigenkraft an den schwierigen Übungen zu versuchen.

Shinran Shonin bezeichnete  den Weg des Nembutsu als den einfachen Weg und doch, so der Shonin, ist kein Weg schwieriger als dieser. Warum? Weil das ICH eben glaubt, wenn ich noch dieses oder jenes zusätzlich mache, wird es einfacher, bestimmt interessanter, mache ich besondere Erfahrungen und erweitere  damit meinen Horizont. Tue ich etwas für mein Geisteswohl oder mein psychisches Wohlbefinden.

 Auch dem möchte ich nicht direkt wiedersprechen, doch was wird es uns bringen? Erleuchtet werden wir dadurch nicht und der Geist benutzt das Ganze nur als interessante Spielerei, mit dem er sich beschäftigen kann.

Wie schon so oft von mir erwähnt, jede buddhistische Praxis verlangt Hingabe und Einsgerichtetheit auf den Weg, den man zu gehen gewählt hat. In der Jodo Shinshu ist es der Weg des sich Überlassens und des Vertrauens in Amida Tatagatha und seiner Gelübdekraft.  Wenn also jemand fragt, ob diese oder jenes auch noch geht, neben dem Nembutsu, so muss die Antwort, vielleicht „Ja“ sein, doch einsgerichtet ist dann weder das Eine, noch das Andere.  Der Shonin nannte es vermischte Übung, die nicht wirklich zu empfehlen ist und uns am Ende mehr verwirrt, als das es uns Klarheit verschafft. 

siehe auch: 唯信鈔
Die Essenz des bloßen Vertrauens
von Seikaku Hōin vom Agui-Tempel
auf der Webseite der BGJ-D unter Net-Texte

in Gassho

Rev. Chisho Kobs

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