Anjin-Do

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Dienstag, 5. März 2013

So Einfach?


Liebe Freunde,

heute ist mir durch den Kopf gegangen, dass wir viel zu häufig betonen, dass Shinbuddhisten frei von jeder Praxis sind. Leider führt dies immer zu Missverständnissen. Frei von Praxis zu sein bedeutet nur, nichts zur eigenen Erleuchtung beitragen zu können, weil wir als Menschen zu sehr mit egobelasteten Leidenschaften verhaftet sind. Es bedeutet aber nicht, dass wir die grundlegende Haltung eines buddhistischen Lebens vernachlässigen sollten, sondern uns ebenfalls darum bemühen, des Buddhas Anweisungen im Alltag zu leben. Dass dies nicht immer, oft gar nicht gelingt, zeigt umso mehr, dass Shinran Shonin die ungeschönte  Natur des Menschseins  gründlich erkannt hat.  Heute möchte ich mit Euch ein kleines Experiment wagen und Euch dazu ermutigen, mit mir gemeinsam, die fünf Regeln für den Laien im Alltag zu praktizieren. Dieses Experiment, welches jeder nur für sich erlebt und dessen Ergebnisse nur einen selber etwas angehen, soll an einem Montag starten. Sagen wir am kommenden Montag. So könnte es aussehen:

Montag: Einen Tag lang werde ich mich darum bemühen, kein Wesen zu verletzen oder gar ums Leben zu bringen. Weder in meinen Gedanken, nicht durch Worte und auch nicht durch mein Handeln.  An diesem Tag, will ich mit Achtsamkeit der Regel bewusst folgen.
(Auch die Fliege, die Spinne oder die Mücke im Zimmer wären sicher dankbar, wenn sie mit dem Leben heute mal davon kommen)

Dienstag: Einen Tag lang werde ich mich darum bemühen, nichts zu nehmen, was mir nicht gegeben wurde. Weder in meinen Gedanken, noch durch Worte und auch nicht durch mein Handeln. An diesem Tag, will ich mit Achtsamkeit der Regel bewusst folgen.
(Auch die Büroklammer der Firma oder der Apfel aus Nachbars Garten gehören mir nicht)

 Mittwoch: Einen Tag lang werde ich mich darum bemühen, unheilsames sexuelles Verlangen nicht aufkommen zu lassen. Weder in meinen Gedanken, noch durch Worte und auch nicht durch mein Handeln.  An diesem Tag, will ich mit Achtsamkeit der Regel bewusst folgen.
(Kann ich die hübsche Nachbarin, den attraktiven Kollegen einfach mal  ignorieren?)

Donnerstag: Einen Tag lang werde ich mich darum bemühen, unheilsame Rede zu meiden. Nicht lügen, nicht über andere reden, nicht tratschen, keine groben Worte, keine zänkischen Bemerkungen. Weder in meinen Gedanken, noch durch Worte und auch nicht durch mein Handeln. An diesem Tag, will ich mit Achtsamkeit der Regel bewusst folgen.
(Das wird spannend!!)

Freitag: Einen Tag lang werde ich mich darum bemühen, keine Mittel zu mir zu nehmen, die  Bewusstsein, klares Denken oder Urteilsvermögen beeinträchtigen. Weder in meinen Gedanken, noch durch Worte und auch nicht durch mein Handeln. An diesem Tag, will ich mit Achtsamkeit der Regel bewusst folgen.
(Das Feierabendbierchen oder das Glas Wein wartet auch bis Morgen gerne auf mich)

Dieses Experiment ist sicher keine Gruppenveranstaltung und betrifft nur einen selber. Niemand kann oder soll es überprüfen, niemand darüber urteilen. Dennoch soll es als Spiegel unseres persönlichen Seins verstanden werden, einfach um einmal festzustellen, das selbst unsere Nicht-Praxis gar nicht so einfach ist, wie man immer behauptet und uns doch am Ende zur Dankbarkeit gegenüber Amida Buddha führen kann.

Zum - Namo Amida Butsu!

In Gassho
Rev. Chisho Frank

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