Anjin-Do

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Mittwoch, 21. Januar 2015

Loslassen

Tannisho
[2]
Dass jeder von Euch unbekümmert um die Lebensgefahr über die Grenze der mehr als zehn Länder hergewandert ist, geschah einfach aus der Absicht, den Weg der Geburt im Land des vollkommenen Glücks zu erkunden. Es ist aber ein großer Irrtum, wenn Ihr etwa meinen solltet, dass ich außer dem Nembutsu noch andere Wege der Hingeburt wüsste und andere Lehren und Schriften kennte. Wenn Ihr das glaubt,
solltet Ihr am besten die großen Gelehrten, von denen es in der Südstadt Nara ebenso wie im Nordgebirge Hiei viele gibt, aufsuchen und Euch die wichtigsten Punkte für die Hingeburt gründlich erklären lassen. Mit mir, Shinran, hat es keine andere Bewandtnis, als dass ich das Wort des guten Lehrers befolge, der mich gelehrt hat, ich solle nur das Nembutsu sagen und mich vom Buddha Amida erretten lassen. Ob das Nembutsu wirklich die Geburt im Reinen Land verursacht oder vielmehr das Karma für den Sturz in die Hölle ist, das weiß ich überhaupt nicht. Ich würde es durchaus nicht bereuen, auch wenn ich, vom verehrten Hônen betrogen, durch das Nembutsu in die Hölle versänke. Denn, wenn ich tatsächlich jemand wäre, der durch die Anstrengung anderer Übungen Buddha werden
könnte, dann könnte ich mich betrogen fühlen und es bereuen, durch das Nembutsu in die Hölle gefallen zu sein. Da ich aber in keiner Weise zu solchen Übungen fähig bin,wäre die Hölle unweigerlich meine Wohnstätte. Wenn das Gelöbnis Amidas wahr ist, kann die Lehre von Shâkyamuni keine Lüge sein. Wenn die Lehre Shakyamunis wahr ist, dann können die Auslegungen von Shantao keine Fälschung sein. Wenn die Auslegungen von Shan-tao wahr sind, wie können die Weisungen von Hônen eitle Worte sein? Wenn die Lehre Hônens wahr ist, dürfte das, was ich, Shinran, Euch sage, nicht ganz leer sein. Kurz gesagt, so verhält es sich mit meinem Glauben. Ob Ihr noch das Nembutsu annehmen und darauf vertrauen wollt oder es verwerft, das überlasse ich ganz Eurer Erwägung...
Ü: Muneto Sonoda (§1-§7), Takao Aoyama (§8-§12)
Wir bemühen uns jeden Tag um all die tausend Dinge, die wir in unserem Leben zu erledigen haben. Um unser Leben zu fristen, müssen wir handeln und sehr viel Energie und Kraft aufbringen. Wenn wir ehrlich sind, gelingen uns die meisten Sachen gerade mal eben so, denn sonst wäre ja alles immer gut und befriedigend. Aber ist das denn auch so? Nein natürlich nicht! Jeden Tag kämpfen wir darum, alles so zu erhalten und zu sichern, wie es gerade ist bzw. noch hin zuzugewinnen, was wir noch nicht haben. Auch Shinran Shonin kannte dieses Leben und dieses Nicht- Ganz -Zufrieden -Sein, in seinem Fall in spiritueller Hinsicht. All die vielen Jahren auf dem Berg Hiei und all die vielen extremen Meditationsübungen führten ihn nicht zu dem, wonach er so sehnlich suchte. Man kann also ruhig festhalten, dass es in unserem Leben genau so geht. Wir üben oder handeln nach besten Wissen und Gewissen und doch bleiben wir hinter der Vollkommenheit immer zurück. Nembutsu zu sagen ist genau das Gegenteil von all dem. Einfach einmal nichts machen müssen, nichts erreichen zu müssen, sich nicht bemühen zu müssen, bedeutet einfach auch mal los zu lassen. Wirklich LOS ZU LASSEN!!!! Wenn wir schon unser normales Leben nicht so ganz im Griff haben und das hat ernsthaft niemand, wie wollen wir dann durch schwere Übungen die Erleuchtung erreichen? Auch die Fragen nach der Hingeburt oder wie das denn gehen soll, ist nichts weiter als unser Versuch Kontrolle zu gewinnen und etwas regeln oder beeinflussen zu können.
"Da ich aber in keiner Weise zu solchen Übungen fähig bin,wäre die Hölle unweigerlich meine Wohnstätte."
Ist meiner Meinung nach eine sehr wichtige Feststellung, die wir alle wahrnehmen sollten. Erst wenn ich absolut überzeugt davon bin, dass ich in diesem Leben Lichtjahre von der Erleuchtung entfernt bin, dann und vielleicht nur dann, können wir wirklich los lassen.
Wie sich das alles verhält und wie die Lehre ist und welche Doktrin dahinter steht, können wir alles lesen und studieren. Wir können anerkannte Lehrer aufsuchen und alles über die Hingeburt erfahren. Am Ende aber nützt es alles nichts, wenn wir nicht bereit sind uns ungeschminkt anzuschauen und alles los zu lassen.
Vertrauen und abgeben, es wäre so einfach, wenn wir nicht so sehr davon überzeugt wären, dass wir nicht doch etwas beisteuern könnten.
"Sag das Nembutsu und sei von Amida gerettet" - das klingt so einfältig und naiv und doch, die die es ernsthaft versuchen, werden das Vertrauen (Shinjin) sicher erfahren.
Namo Amida Butsu und in Gassho

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