Anjin-Do

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Sonntag, 11. Oktober 2015

Jahrestreffen der EBU - Ein Bericht von Rev. Ilona Evers

Bericht vom jährlichen Treffen der EBU - Europäisch Buddhistische Union vom 24.-27. September 2015 von Kogyo Ilona Evers

Donnerstag, 24. September
Um 20:00 Uhr wurden wir vom EBU Vorsitzenden Jamie Cresswell und von unserem Gastgeber, dem Rigpa Zentrum Berlin, willkommen geheißen.
Jamie präsentierte das Programm des Wochenendes und eine Vertreterin des Rigpa-Zentrums stellte das Berliner Zentrum vor.

Hier ein paar Informationen von der Website des
Rigpa Zentrum Berlin

Rigpa-Zentrum, 7.7.2010, Foto: KHMMBild: Bezirksamt
Das Rigpa-Zentrum Berlin wurde 2006 von Sogyal Rinpoche, dem Autor von “Das tibetische Buch vom Leben und vom Sterben”, gegründet, das Zentrum in der Soorstraße 85 wurde am 4.10.2007 eröffnet. Bei dem Gebäude handelt es sich um einenfrüheren preußischen Offiziersclub, der zuletzt als städtische Jugendfreizeitheim genutzt wurde.

“Rigpa” ist das tibetische Wort für “Intelligenz”. In den Lehren der buddhistischen Tradition Tibets bedeutet es “die innerste Natur des Geistes”. Rigpa ist inzwischen ein internationales buddhistisches Netzwerk mit Zentren und Gruppen in 23 Ländern. Es steht unter der Schirmherrschaft des 14. Dalai Lama und will die Lehren des Buddha für möglichst viele Menschen verfügbar machen. Rigpa Deutschland ist ein seit 1987 eingetragener und als gemeinnützig anerkannter Verein.
Das Herzstück: Der Schreinraum mit Buddhastatue
Der Schreinraum steht allen Interessierten offen zur Besichtigung, zum Meditieren oder Verweilen. Die fünf Meter hohe goldene Buddhastatue ist ein Abbild eines der wichtigsten buddhistischen Heiligtümer, der Buddhastatue in Bodhgaya (Indien)
Die Tagung der EBU fand vor allem im Schreinraum statt. Er ist groß, sehr schön und beeindruckend.

Am Freitag, 25. September
Sechs Buddhistische Gruppen bzw. Initiativen stellten sich im Laufe des Tages mit ihren Präsentationen vor.

Lotus Sangha – Yun Hwa Sangha
Gehört zum Mahayana und nennt sich sozialer Buddhismus. Hauptlehrerin ist Supreme Matriarch Ji Kwang Dae Poep Sa Nim.
Das Hauptzentrum befindet sich in Hawaii.

Centro Zen l‘ Arco
Wird von Dario Doshin Girolami geleitet. Zen l`Arco ist verbunden mit dem San Francisco Zen Center, dessen Gründer Shunryu Suzuki Roshi war.
Dario Doshin Girolami präsentierte diese Gruppe. Zwei Projekte fand ich besonders eindrucksvoll. In Rom gab es eine Gay Pride Parade. Daran hat das Centro Zen l`Arco in Rom teilgenommen. Dabei saß die römische Sangha in Meditationskleidung und Meditationshaltung auf einem der Wagen der Gay Pride Parade.
Das andere Projekt ist die Betreuung von Gefängnisinsassen in Rom. Dario erzählte, dass sein Antrag, Zen-Meditationen im Gefängnis anzubieten, zuerst abgelehnt wurde. Beim zweiten Versuch hat er die Zen-Meditationen als Projekt gegen Aggressionen bezeichnet. Das wurde akzeptiert und seitdem bietet er Meditationsgruppen an, die Anklang bei den Gefängnisinsassen finden.

Triratna, früher FWBO = Freunde des westlichen buddhistischen Ordens
Municha aus Großbritannien präsentierte diese Gruppe.
Zentral für Triratna sind die spirituelle Freundschaft und ein ethisches Leben. Der Engländer Sangharakshita hat Triratna im Jahre 1967 gegründet. Diese relativ neue buddhistische Schule vereinigt alle drei Hauptströmungen des Buddhismus, Theravada, Mahayana, Vajrayana.

Jai Bhim Gemeinschaft in Ungarn
Ein Video vom Leben der Roma in Ungarn wurde gezeigt. Die Roma leben in Ungarn meist in Siedlungen, die aus armseligen Hütten ohne fließendes Wasser und Strom bestehen. Überall Müll, Armut und Hoffnungslosigkeit. Hoffnung gibt es seit einigen Jahren durch eine buddhistische Gemeinschaft, die sich an Dr. Bhimrao Ambedkar orientiert. Dr. Ambedkar war ein indischer Unberührbarer, ein Rechtsanwalt und Sozialreformer. 1956 konvertierte er zum Theravada-Buddhismus und löste damit eine Dhamma-Revolution aus, in der Millionen von Unberührbaren zum Buddhismus konvertierten. Die Romas erleben sich als die Unberührbaren Europas. Ursprünglich sind sie aus Indien gekommen. In Ungarn identifizieren sich inzwischen viele Roma mit Dr. Ambedkar und seinem humanitären Buddhismus. Das hat auch zur Gründung von Schulen und anderen Gemeinschaftseinrichtungen geführt. Jai Bhim wird aktiv von Triratna unterstützt.

NBO – Network of Buddhists UK – der buddhistische Dachverband Großbritanniens
Jamie Cresswell berichtete vom britischen Dachverband und stellte das Projekt BAM – Buddhist Action Month im Juni 2015 vor. Im Juni haben Buddhisten in ganz Großbritannien Aktionen für die Umwelt organisiert. Zentral bei diesen Aktionen ist, dass die Menschen vor Ort mit einbezogen werden. BAM findet seit einigen Jahren einmal im Jahr statt. In diesem Jahr war das Thema die Umwelt, in den Jahren davor waren es andere gesellschaftlich relevante Themen.

Diamantweg
Hauptlehrer ist Ole Nydahl
Der Begriff Diamantweg ist eine Übersetzung vom Wort „Vajrayana“, Vajra – Diamant, Yana – Weg. Im Diamantweg wird als 17. Karmapa Thaye Dorje verehrt. In der Präsentation bei unserem EBU – Wochenende wurde vor allem von der Gründung neuer Zentren in Russland berichtet.

Bei jedem Treffen der EBU im September stellen sich einige buddhistische Gruppen oder Initiativen vor. Die Vielfalt, die dort präsentiert wird, finde ich immer wieder spannend und faszinierend. Wir streben alle mit ganz unterschiedlichen Methoden und Wegen Mitgefühl, Weisheit und Erleuchtung an.

Am Freitag Nachmittag wurde die neue EBU – Website vorgestellt. Mit großem  persönlichen Einsatz und viel ehrenamtlicher Arbeit ist eine sehr ansprechende Website zustande gekommen. Die Webadresse ist: http://europeanbuddhism.org
Am Samstag, 26. September begann am Vormittag die jährliche Mitgliederversammlung der EBU. Tagesordnungspunkte waren:
Entschuldigung von verhinderten Delegierten
Genehmigung der Tagesordnung
Genehmigung des Protokolls der Mitgliederversammlung 2014
Bericht des Vorstands
Bericht des Schatzmeisters
Entlastung des Vorstands, des Schatzmeisters und der Rechnungsprüfer
Nach diesem trockenen Pflichtprogramm, das ohne große Unstimmigkeiten abgearbeitet wurde, gab es eine sehr nötige Kaffeepause.
Danach stellte Lama Dondrup, der seit Jahren an den EBU – Versammlungen und am Lehrertreffen der EBU teilnimmt, seine in Barcelona beheimatete „Sangha Activa“ vor und beantragte die Aufnahme in die EBU. Leider musste die Aufnahme der Sangha Activa aus technischen Gründen auf die nächste EBU – Versammlung verschoben werden.

Danach gab es eine Diskussion über zwei Anträge zur Änderung der Verfassung der EBU:

Der erste Antrag betraf Paragraph 12, Absatz 2 der Verfassung. Dieser legt fest, dass alle Entscheidungen im Konsens getroffen werden müssen. Jede Neuerung kann also bereits durch eine Gegenstimme verhindert werden.

Der Antrag lautete:
Wenn nach zwei aufeinanderfolgenden Mitgliederversammlungen kein Konsens erreicht worden ist; soll im dritten Jahr, wenn wieder kein Konsens erreicht werden sollte, eine Abstimmung stattfinden. 75 % der Anwesenden müssen für den entsprechenden Antrag stimmen, damit dieser angenommen werden kann.
Der Antrag wurde einstimmig angenommen.
Der zweite Antrag betraf den Paragraphen 16, der Änderungen der EBU – Verfassung regelt. Bisher müssen Verfassungsänderungen den Vorsitzenden aller Mitgliedsgemeinschaften spätestens 21 Tage vor der EBU – Mitgliederversammlung vorliegen.

Der Antrag besagte, dass Verfassungsänderungen ohne vorherige Ankündigung auf einer Mitgliederversammlung der EBU beschlossen werden können.
Weil dieser Antrag auf Änderung der Verfassung die vorgesehene Frist nicht eingehalten hatte, wurde die Diskussion darüber auf das nächste Jahr vertagt.
Der nächste Tagungsordnungspunkt waren Datum und Ort der EBU – Mitgliederversammlung im Jahre 2016.

Als Datum wurde der 22. - 25. September 2016 beschlossen.
Stattfinden soll das Treffen im Fu Guang Shan Tempel in Wien.
Die Veranstaltungsort der Mitgliederversammlung 2017 ist Zagreb im Gespräch.
Damit war die Mitgliederversammlung beendet.
Nach dem Mittagessen war Zeit eingeplant zum Besichtigen der Sehenswürdigkeiten Berlins oder einem Spaziergang im nahe gelegenen Park des Charlottenburger Schlosses.

Um 16:30 Uhr versammelten wir uns wieder, um über die geplante EBU – Konferenz, die Anfang April 2016 in Berlin stattfinden soll, zu sprechen. Diese Konferenz soll die Gelegenheit bieten, Themen zu diskutieren, die uns unter den Nägeln brennen. „Buddhist sein in Europa“ ist der Titel der Veranstaltung. Ich werde einen Vortrag zum Thema „Grenzen des Wachstums“ anbieten.
Andere besprochene Ideen waren: Buddhismus und Familie und Buddhismus und Vegetarismus.

Die Veranstaltung soll in Englisch stattfinden. Nach Möglichkeit wird es auch Übersetzungen ins Deutsche geben.

Sonntag, 27. September
Wir hörten die Berichte verschiedener Projekte der EBU.
Zum Beispiel die Teilnahme an der World Fellowship of Buddhists (WFB) und der International Buddhist Conference (ICB), von denen Jamie Creswell berichtete.
Trudy Fredriksson berichtete vom Treffen der Dachverbände innerhalb der EBU.
Gabriele Frey berichtete ausführlich über ihre Arbeit im Council of Europe und verschiedener anderer europäischer Organisationen, in denen Buddhisten und Vertreter anderer Religionen mitarbeiten.
Gabriele ist auch im Netzwerk Buddhism & Women aktiv und berichtete von ihrer Arbeit. Webadresse:
www.buddhistwomen.eu
Diskutiert wurde auch die Gründung eines Netzwerkes für „Chaplaincy“, was übersetzt soviel wie Seelsorge bedeutet und in Krankenhäusern, in Gefängnissen, beim Militär usw. angeboten werden kann.
In Deutschland ist der Fall nicht so einfach. Bisher wird dies alles von den Kirchen abgedeckt. Gespräche gibt es mit Kirchenvertretern. Diese sind zum Teil auch aufgeschlossen, es ist aber wohl ein langwieriger Prozess, der Geduld und Zeit erfordert.

Dario Doshin Girolami von der römischen Gruppe Zen L'Arco hat sich als Koordinaror für diese Netzwerk zur Verfügung gestellt.
Im Anschluss daran gab es einen Austausch in kleinen Gruppen.
Zwei Fragen sollten diskutiert werden: In welcher Weise wirst du die Erfahrungen und die Informationen dieses EBU – Wochenendes weitergeben?
Einige Antworten darauf waren: Einen Bericht für ein Mitgliedsmagazin schreiben. In einem Dharmatalk über das EBU – Treffen berichten. Auf einer Mitgliedswebsite darüber berichten.

Was hat dieses Wochenende zu deiner persönlichen Entwicklung beigetragen?
Einige Antworten darauf waren:
Das Urteilen über andere Menschen und andere Meinungen loslassen.
Eine entspanntere Einstellung gewinnen.
Freundschaften und Bekanntschaften erleben, die durch die jährlichen EBU – Treffen entstanden sind.
Energie bekommen, sich gestärkt fühlen durch den Austausch mit anderen Buddhisten in allen Teilen Europas.
Ein Gefühl der Verbundenheit mit den Dharmafreunden in ganz Europa erleben.
In einem anderen Austausch in kleinen Gruppen (am Freitag- oder Samstag – Abend) ging es darum, was wir persönlich besonders nützlich an der EBU finden und was unser persönlicher Grund ist, an den EBU – Treffen teilzunehmen.
Den meisten Leuten war der persönliche Austausch mit den anderen Teilnehmern besonders wichtig und der Dialog mit Buddhisten anderer Traditionen. Vom Erweitern des eigenen Horizontes war die Rede und davon, Anregungen und Inspirationen für die eigene Praxis zu bekommen.
Einige äußerten, dass sie sich durch die EBU – Treffen in Europa mehr zu Hause fühlen. Und auch, dass wir viel voneinander lernen können.


Das EBU – Wochenende endete mit einem gemeinsamen Mittagessen.

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