Anjin-Do

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Freitag, 30. Oktober 2015

Jodo Shinshu und ganz weltliche Sorgen.


In allen Religionen gibt es Gebete und Rituale, die uns in diesem Leben Unterstützung und Hoffnung, ja Hilfe, bringen sollen. Man wendet sich an Gott oder Heilige, man sprich Mantras oder vollzieht reinigende, heilbringende Rituale. Häufig finden wir Devotionalien, die getragen, Schutz vor Unheil oder bei Krankheit Hilfe versprechen. In Jodo Shinshu aber finden wir das alles nicht und so wundert es nicht, dass viele Menschen erst einmal hinzukommen, dann aber häufig wieder gehen, weil sie mit ihren Problemen scheinbar alleine gelassen sind oder werden. Ich möchte aber kurz erklären, wie die Dinge aus shinbuddhistischer Sicht gesehen werden. Wie bereits erwähnt, ist der Anhänger des Nembutsu von allen Buddhas und Bodhisattvas bereits beschützt und begleitet. Was also möchte man zusätzlich tun? Hier liegt wieder die Frage nach Jiriki oder Tariki im Raum. Wir wollen etwas tun oder herbeiführen, damit unsere Probleme sich von anderer Stelle her lösen lassen, weil wir glauben es selber nicht bewältigt zu bekommen. Aus buddhistischer Sicht aber ist die Sache eigentlich ganz klar. Wir, nur wir sind die Erzeuger und Erben unseres Karma. Die Art wie wir denken, reden und handeln, führt zu dem, was wir ernten. Wir sind also EIGENVERANTWORTLICH für unser Glück und für unsere Probleme. Und ja, wir haben Probleme!! Der Buddha nannte sie Dukkha. Dieses Leben ist nicht befriedigend, manchmal echt be---scheiden. Aber warum ist das so? Na, weil wir Gier und Hass und NICHT- Erkennen in uns tragen. Wären wir in der Lage, die Dinge so zu sehen, wie sie wirklich sind, so fänden wir auch eine wirklich Lösung für unsere Probleme. Shinran Shonin war in dieser Frage ganz klar. Wir sind verblendet und sind nicht (immer) nur gut.Wir tragen jeden Tag ein wenig zu unserem Unglück bei, ob wir es nun wollen oder nicht. Meist sind wir uns dessen nicht einmal bewusst. Und zur Lösung der Probleme, die wir selbst gemacht haben, fehlen uns die Einsichten und die Weisheit. Was also im Shinshu bleibt ist das WIRKLICHE Vertrauen in Namu Amida Butsu. Das Vertrauen in die ANDERE Kraft, die nichts anders ist als Mitgefühl und Weisheit in Aktion. Wenn wir uns dem uneingeschränkt überlassen können, braucht es kein Gebet, kein Ritual und auch keine Devotionalien. Als Shinbuddhist spreche ich Nembutsu und reflektiere mich im Spiegel des Dharma. Ich schauen mich selber an und bin achtsam. Was immer dabei heraus kommt nehme ich an und vertraue darauf, dass die Gelübdekraft des Hongan mich dereinst von Gier, Hass und Verblendung befreit. Das ist der Weg des Shin, das ist der Weg des Shinjin. Mit Gassho

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