Anjin-Do

Anjin-Do

Sonntag, 13. August 2017

Der Hongwanji

Der Hongwanji ist der Haupttempel der Jōdo Shinshū in Kyōto. (Hongwanji ist die traditionelle Schreibweise. Oft liest man inzwischen Honganji)
Ursprünglich gab es in Kyōto nur wenige Anhänger des Shin-Buddhismus. Aber der Familie Shinrans gelang es im Lauf der Zeit, das Grabmal Shinrans zu einer Pilgerstätte und schließlich zu einem bedeutenden Tempel auszubauen. Aus dem Amt des Grabpflegers wurde das Amt des Monshū, des Oberhaupts der Schule. Selbst der heutige (25.) Monshū ist noch ein direkter Nachfahre Shinrans.
Rennyo Shōnin, dem achten Monshū, ist es zu verdanken, dass der Shin-Buddhismus zur anhängerreichten buddhistischen Schule aufstieg. Er war ein begnadeter Briefeschreiber und Motivator, der den Shin-Buddhismus mit sicherer Hand durch eines der düstersten Zeitalter der japanischen Geschichte, die späte Muromachi-Zeit, steuerte.
Nachdem der Hongwanji mehrmals Opfer von bewaffneten Überfällen durch Mönche anderer Schulen geworden war, ließ Rennyo an einer strategisch günstigen Stelle, wo sich heute die Burg von Ōsaka befindet, einen befestigten Tempel errichten. Dieser sogenannte Ishiyama-Hongwanji war für Jahrzehnte ein Machtfaktor in Japan. In 1580ger Jahren, als die Klosteranlagen auf dem Berg Hiei von dem brutalen Kriegsherrn Oda Nobunaga zerstört und tausende Mönche getötet wurden, trotzte der Ishiyama Honganji sogar einer 10jährigen Belagerung. Am Ende vereinbarte man allerdings freien Abzug für die Verteidiger und der Tempel wurde geschliffen.
Diese weiche Lösung war aber nicht im Sinne aller. Kyōnyo, der älteste Sohn des damaligen Monshū Kennyo, hatte sich energisch für eine Fortsetzung der Belagerung ausgesprochen und war deshalb von seinem Vater enterbt worden. Nach Kennyos Tod nutzte das Shōgunat diesen Konflikt in der Gründerfamlie aus und spaltete die Jōdo Shinshū, indem es es Kyōnyo kurzerhand einen eigenen Haupttempel, den heutigen Östlichen Hongwanji (Higashi Hongwanji), schenkte.
Bis heute ist diese Spaltung der Schule, obwohl sie nur auf einem Politikum beruhte, das sich seit Jahrhunderten erübrigt hat, niemals überwunden worden. Beide Tempel liegen nördlich des Hauptbahnhofs von Kyōto und sind nur zwei Kilometer voneinander entfernt. Auf den ersten Blick sind sie - zumindest für den westlichen Besucher - zum Verwechseln ähnlich. Erst gründliches Hinblicken auf die Details enthüllt zahlreiche Unterschiede, z.B. in der Liturgie. Außerdem haben beide Tempel eine eigene akademische Tradition ausgebildet: Zum Westlichen Hongwanji (Nishi Hongwanji) gehört die Ryūkoku-Universität und zum Östlichen die Ōtani-Universität.

Die Jōdo Shinshū in Deutschland

Der deutsche Shin-Buddhismus gehört zwar noch heute zu den kleineren Gemeinschaften innerhalb des deutschen Buddhismus, aber er kann aber auf eine schon über fünfzigjährige Geschichte zurückblicken. Ursprünglich in Berlin gegründet, ist das wichtigste Zentrum heute die Buddhistische Begegnungsstätte Anjin-Dō in Mönchengladbach.
Eine besondere Bereicherung war die Einrichtung des EKO-Tempels in Düsseldorf. Zwar ist dieser Tempel, der als Teil des Hauses der japanischen Kultur auch eine lokale Sehenswürdigkeit ist, als Oase für alle Buddhisten gedacht, in seiner Einrichtung ist er aber ein originaler Tempel der Jōdo Shinshū Hongwanji-ha und auch die zwei ansässigen japanischen Priester gehören dieser Schule an.
Als Pionier des deutschen und auch europäischen Shin-Buddhismus ist Harry Pieper(1907-1978) besonders erwähnenswert, der auch in Japan hohes Ansehen genießt. Geboren in Berlin, schloss er sich schon früh dem Buddhistischen Haus in Berlin Frohnau an, das von Paul Dahlke gegründet war und die Theravada-Tradition vermittelte. Von 1930 bis 1934 (eine andere Quelle sagt bis 1938) war er dessen Leiter, danach wurden alle weiteren Aktivitäten von der Gestapo verboten. Harry Pieper traf sich in den folgenden Jahren mit einer kleinen konspirativen Gruppe zu Dharmasitzungen im Dachgeschoss einer Berliner Mietswohnung. Ein künstlerisch begabtes Mitglied malte mit Kreide ein Buddhabild an die Wand, während Harry Piper auswendig Texte aus dem Pāli-Kanon rezitierte.
Nachdem er 1946 aus der russischen Gefangenschaft zurückgekehrt war, gründete er die „Buddhistische Mission“, die sich stärker dem Mahāyāna öffnete. In dieser Zeit war er Mitglied des tibetisch orientierten Arya Maitreya Mandala von Lama Angarika Govinda.
Ab 1954 hatte er Kontakt zu dem Physikprofessor und überzeugten Shin-Anhänger Osamu Yamada, der ihn Schritt für Schritt in die Shin-buddhisische Lehre einführte. Noch im selben Jahr fand eine Begegnung mit dem damaligen Monshū, S.E. Kōshō Ōtani statt, dessen Persönlichkeit und Art, den Dharma zu vermitteln, Harry Pieper stark beeindruckten und den letzten Ausschlag gaben, sich auf den Pfad des Reinen Landes zu begeben.
In den folgenden Jahren Harry Pieper seine langjährige Erfahrung mit Organsation und Vereinsarbeit nutzen. Schon am 16. Januar 1956 gründete er die Buddhistische Gemeinschaft Jōdo Shinshū. Bald folgten seine wichtigsten Übersetzungen: Kōshō Ōtanis: "Der Glaube der Jodo-Shinshu". Ryuichi Fujiis: "Die wahre Bedeutung des Buddhismus", Kyōto 1957 "Buddhistische Religion", Kyōto 1958 u.a.
In den frühen Sechziger Jahren empfing Harry Pieper die Ordination zum Shin-buddhistischen Priester. Bis zu seinem Lebensende setzte er sich für die Vermittlung des Shin-Buddhismus ein, und die meisten wichtigen Persönlichkeiten des europäischen Shin-Buddhismus sind direkt oder indirekt seine Schüler, z.B. Jean Eracle, der Gründer der Genfer Sangha.

Privat lebte Harry Pieper ein normales bürgerliches Leben als Dolmetscher, insbesondere für amerikanische und englische Militärangehörige in der geteilten Stadt. Er war verheiratet und hatte zwei Töchter. Der Buddhismus war für ihn eine Sache des Alltags, nicht der großen Worte und Vorsätze. Ein Freund und Weggefährte Harry Piepers, Valentin von Maltzan, würdigte ihn darum in seinem Nachruf mit den Worten: „Seine Einfachheit entsprang nicht Unwissen. Er hatte ein außerordentliches buddhistisches Wissen. Er hatte – wie viele europäische Buddhisten – sich erst in der Vielfalt der buddhistischen Lehrrichtungen zurechtfinden müssen. Der Shin-Buddhismus war für ihn nicht die Krönung unter den verschiedenen Richtungen – der Shin-Buddhismus war einfach der ihm angemessene Weg – und als er ihn gefunden hatte, suchte er nicht mehr weiter.“

Prof. Rev. Matsumaru wird Aoyama Sensei in der Leitung des EKO Hauses ablösen.

Im Oktober wird Prof. Rev. Aoyama das EKO Haus der Japanischen Kultur verlassen. Er wird nach Japan zurückkehren und in den wohlverdienten Ruhestand gehen. Prof. Rev. Matsumaru wird dann seine Nachfolge antreten.

Anjin-Do Freunde zum O-Bonfest im EKO Tempel

Wir hatten einen sehr schönen Nachmittag zum O-Bon Fest im EKO Tempel. Alle waren mit dabei und ich bedanke mich von Herzen für diesen Tag und Euer Teilnahme! Mit Namo Amida Butsu und ganz lieben Grüßen

Mittwoch, 2. August 2017

Was bietet das Anjin-Do Zentrum Mönchengladbach Rheydt?

Der Anjin-Do(jo) ist das Hauptzentrum der Buddhistischen Gemeinschaft Jodo Shinshu Deutschland.  
* Regelmäßige Sonntag Treffen ab 17:00 Uhr mit Andacht, Dharmavortrag und Gesprächskreis bei einer Tasse Tee.
*Meditationsanleitung und Meditationszeiten, für jene die es lernen wollen. Wir üben dann den Atem zu betrachten. Auf Nachfrage!
*Vermittlung der Buddhistischen Grundlagen und der Jodo Shinshu Lehre
*Krankenbesuche, Sterbe Zeremonien, Beerdigung und Totengedenkfeiern (leider schon drei Mal in diesem Jahr)
*Erste Eintrittszeremonie nach Absprache mit dem Priester im Dojo
*Hochzeiten für Buddhisten, auch anderer Traditionen
*Seelsorge und Priesternotruf, leider nur Lokal möglich oder telefonisch
*Verbreitung unseres Shinshu News Letters durch Rev. Thomas Moser
* Feiern von besonderen buddhist. Festtagen, häufig im EKO Tempel Düsseldorf und mit der EKO Gemeinschaft

Beitritt zur Buddhistischen Gemeinschaft Jodo Shinshu Deutschland

Ich möchte heute einmal auf eine viel gestellte Frage antworten; "Wie tritt man der Buddhistischen Gemeinschaft Jodo Shinshu Deutschland bei oder wie wird man Shinshu Buddhist?"
Zunächst einmal möchte ich erwähnen, dass man in unserem Haupttempel in Kyoto zu jeder Zeit, auf Anfrage, Zuflucht zur Shinshu Lehre nehmen kann. Eine solche Zeremonie wird morgens im Haupttempel gehalten und heißt Kikyoshiki Zeremonie. Mit dieser Zeremonie wird man offiziell in die große Jodo Shinshu Gemeinschaft aufgenommen. Diese Zeremonie wird zumeist, nicht immer, von unserem Oberhaupt zelebriert oder von einem seiner Vertreter. Hier in Europa besteht die Möglichkeit an einer solche Kikyoshiki Zeremonie alle zwei Jahre zur Europäischen Shin-Konferenz teilzunehmen.
In den vergangenen Jahren war der Beitritt zur BGJ-D durch Antrag und Ausfüllens eines Beitrittsformulars möglich und wurde immer vom Vorstand bestätigt. Und so wurde man Mitglied der Buddhistischen Gemeinschaft Jodo Shinshu Deutschland e.V. 

Leider haben wir aber auch die Erfahrung gemacht, dass nicht wenige Freunde, nach anfänglicher Begeisterung, dann aber schnell ihr Interesse verloren und der Gemeinschaft fern blieben, oft ohne eine direkte Begründung oder weiteren Kontakt. Wir nennen dies dann einen stillen Austritt.
Im Mai diesen Jahres haben sich also die Tokudo Ordinierten zusammen gesetzt und beraten, was diesbezüglich verändert werden muss.
Hier also unsere Änderung, die ich in weiten Teilen vorangetrieben habe.

Die Buddhistische Gemeinschaft Jodo Shinshu Deutschland ist in erster Linie eine religiöse Gemeinschaft unter der Schirmherrschaft unseres Haupttempels. Als religiöse Gemeinschaft vertrauen wir auf die Lehre Buddhas und insbesondere auf die Führung Shinran Shonins und seiner Nachkommen, in dem Fall unseres Monshu (Oberhauptes).

Wie in allen religiösen Gemeinschaften, erwarten auch wir, dass sich die Menschen, die zu uns kommen möchten, sich mit der Lehre beschäftigen (Buddhas Grundlehre und Jodo Shinshu). Wer diese Lehren für sich erkennt und für richtig oder wichtig hält, der kann im Anjin-Do Zentrum oder auch im EKO Tempel an einer Eingangszeremonie (Nyumoshiki) teilnehmen. In dieser Zeremonie erklärt man dann seine Zuflucht zu Buddha, Dharma und Sangha und liest, gemeinsam mit der Gemeinde, öffentlich das Jodo Shinshu Bekenntnis. Zukünftig wird ein Beitritt zur BGJ-D mit einer solchen Eintrittszeremonie verbunden sein. So erwarten wir also, dass die Leute sich im Vorfeld gründlich mit den Dingen auseinander setzen und wirklich ernsthaft ihr Vertrauen in Buddha, Dharma und Sangha mit anderen teilen möchten. Wie bereits erwähnt, kann dann noch die offizielle Laien-Ordination durch unser Oberhaupt erfolgen. Diese Ordination wird aufgrund von Empfehlungen seitens zweier Priester gehalten und findet, wie gesagt, alle zwei Jahre in Europa statt. Häufig hat man also nochmal genügend Zeit, sich einen solchen Schritt zu überlegen und während dieser Zeit erwarten wir ein aktives Engagement in und für die Gemeinschaft. Ob dieses Engagement dann in Berlin, im EKO Tempel oder im Anjin-Do umgesetzt werden kann, spielt keine Rolle. Auch Freunde von weit her brauchen keine Sorgen zu haben. Man kann immer in Kontakt bleiben, wenigstens ein oder zweimal im Jahr an einer Veranstaltung teilnehmen und für den Sangha tätig sein. Selbst hier auf Facebook. Also nochmal und in Stichworten:
1. Persönlichen Kontakt suchen und aufnehmen
2. Lernen, was hat Buddha und Shinran Shonin gelehrt
3. Nyumonshiki Zeremonie im Anjin-Do, EKO Tempel oder auch in Berlin by Rev. Evers
4. Aktiv für die Gemeinschaft sein und teilnehmen
5. Kikyoshiki Zeremonie alle zwei Jahre möglich und auf Empfehlung
Wer jetzt noch Fragen hat: Wendet Euch an mich oder einen der anderen Priester. Rev. Evers (Berlin), Rev. Moser (Bad Reichenhall) Rev, Nottelmann (EKO Haus), Rev. Shoju (EKO Tempel)
Liebe Dharmafreundinnen und Dharmafreunde, liebe Jodo Shinshu Anhänger.

Shinshu News Letter“ ist das offizielle Informationsmagazin der deutschen Jodo Shinshu Gemeinschaft.
Das Magazin erscheint monatlich und nur online.

Shinshu News Letter“ ist kostenlos und wird ehrenamtlich unter der Regie des spirituellen Leiters der Gemeinschaft, Rev. Frank Kobs erstellt.

Shinshu News Letter“  wird per e-mail zugesandt

Sie können es aber auch auf der Facebook Seite unserer Gemeinschaft aufrufen, ohne es auf ihren eigenen PC oder Mac zu laden. Dort in Facebook bitte „Vorschau“  anklicken. Im Facebook Archiv finden sie  auch frühere Ausgaben.
Um sich auf der Facebook Seite der deutschen Jodo Shinshu anzumelden wenden sie sich bitte an Rev. Frank Kobs.

Shinshu News Letter“  ist mehrsprachig, hauptsächlich in Deutsch und Englisch, je nach Art der Beiträge.

Sie können das Magazin über die Adresse th.j.moser@icloud.com bei Rev. Thomas Moser bestellen.
Es gibt keine Kündigungszeit; eine kurze Nachricht an die genannte Adresse genügt.

Wir versenden die Ausgaben von Shinshu News Letter“  als blind Copy und Rev. Moser garantiert
dass ihre Adressen nicht außerhalb des Vorstands der BGJ-D (Buddhistische Gemeinschaft Jodo Shinshu Deutschland) weitergegeben werden.


Wir wünschen viel Spaß und besinnliche Zeiten beim Lesen. Auch freuen wir uns über Anregungen, sowie Fragen, die wir gerne beantworten. 

Sonntag, 2. April 2017

Newsletter

Liebe Freunde, 

Jeden Monat erhalten über 100 Abonnenten unseren Shinshu Newsletter, der nach dem Versand auch hier auf unserer Seite eingestellt wird. Rev. Thomas Moser zeichnet immer mit "Frank und Thomas", was ich hier einmal erwähnen möchte. Denn es müsste anders herum gezeichnet sein. Auch wenn ich die Herausgabe unseres Gemeindebriefes zuvor bewillige, so ist es Rev. Moser, der die Sammlung der Texte erstellt, das Layout kreiert und die Mühe hat, alles zu versenden. Ohne sein Engagement würde die Herausgabe eines monatlichen Gemeinde Briefes kaum machbar sein und so möchte ich mich hier einmal ganz herzlich bei Thomas bedanken. Sein Einsatz für unsere Shinshu Gemeinde währt nun fast an die dreissig Jahre und ohne sein Engagement würde auch heute vieles nicht mehr laufen. Ich finde, dass darf man auch einmal ganz öffentlich sagen! DANKE Thomas Sensei 

Dienstag, 28. März 2017

Ins Reine Land hingeboren

In Jodo Shinshu gibt es eine Aussage, die oft zitiert und wenig verstanden wird. "Viele werden hin geboren, aber keiner ist dort!" Wenn wir diese paradox klingende Aussage im Licht des Buddha Dharma betrachten, wird klar, warum "ICH" nicht ins Reine Land geboren wird. Zunächst einmal muss man verstehen, dass unsere Hingeburt nur durch die Verdienstübertragung des Nicht zu ermessenden Buddha (Amida) möglich wird. Dharmakara Bodhissattva legte 48 Gelübde ab und übte für eine unvorstellbar lange Zeit, diese Gelübde zu erfüllen und Buddhaschaft zu erlangen. Die dadurch erlangten Verdienste waren so immens, dass sie für alle Zeiten und für alle Wesen reichen, um die Befreiung (Nirvana) zu erlangen. Also, wenn wir auf das 18 Gelübde vertrauen und Buddhas Namen sprechen, werden wir mit so vielen Verdiensten beschenkt, dass unsere Hingeburt ins Reine Land gesichert ist. In der Interpretation von Shinran Shonin ist diese Hingeburt gleichbedeutend mit der Erlangung Nirvanas und wir werden zu Buddhas. Was aber bedeutet das? Nirvana bedeutet Erlöschen, bedeutet Vernichtung, Vergehen oder Auflösung. Was aber erlischt, vergeht oder löst sich auf? Unsere verblendete Vorstellung davon, jemand zu sein. Eine inhärente Persönlichkeit zu besitzen, die unveränderlich fortbesteht und eben "ICH" heißt. Wenn wir also davon sprechen, dass wir/ich ins Reine Land geboren werden, dann ist das ein Widerspruch in sich, jedenfalls nach buddhistischer Anschauung. Nochmal: Also indem wir in das 18. Gelübde vertrauen und Nembutsu sagen, werden wir zu Nichtmehr-Wiederkehrern (durch die Verdienstübertragung), die bei der Hingeburt ins Reine Land Nirvana erreichen. Nirvana zu erreichen bedeutet aber, alle Verhaftung, Gier; Hass und VERBLENDUNG überwunden zu haben. Somit auch die Vorstellung eines ICHS und alle Dualität. Dem Amida Buddha gleich, könne wir dann zum Wohle alle Wesen wieder in Samsara eintauchen und alle Wesen retten, je nach deren Bedürfnissen. Um es deutlicher zu machen, wir sprechen nicht von Dharmakara Buddha, sondern von Amida, Amithaba oder auch Amitayus. So werden auch wir nicht Frank Budhha, Klaus Buddha oder Petra Buddha sein, sonder gleich dem Buddha jenseits aller Beschreibung und Ermessens. AMIDA BUTSU 

Sonntag, 12. März 2017

Andachten im Anjin-Do

Im Anjin-Do Zentrum findet in der Regel jeden Sonntag eine Shinbuddhistische Andacht statt. Für Interessierte, die Meditation sitzen wollen, beginnen wir um 17:00 Uhr. Die Shinshu Andacht findet direkt im Anschluss statt. Bitte beachten Sie, dass es aufgrund von privaten Anlässen, Krankheit oder auswärtiger Termine zu Änderungen kommen kann. Diese werden rechtzeitig bekannt gegeben. Wer sich vorher informieren möchte, kann mir gerne schreiben unter:  EMail - frank-kobs@t-online.de

Sangha in der BGJ-D

Was versteht man unter Sangha in der Buddhistischen Gemeinschaft Jodo Shinshu Deutschland? Zunächst einmal gibt es hier die ordinierte Sangha. 
Rev. Thomas Moser, der unsere Gemeinschaft über viele Jahrzehnte geführt hat und immer noch aktiv in der BGJ-D arbeitet. Rev. Ilona Evers, die in Berlin ebenso seit Jahrzehnten unsere Tradition vermittelt. Rev. Marc Nottelmann, der als Kassierte gerade jetzt in dieser Zeit viel zu tun hat und darüber hinaus im EKO Tempel Düsseldorf mitarbeitet. Zuletzt meine Wenigkeit, der den Vorsitzt hält und unser Zentrum betreut. Dann gibt es die vielen Jodo Shinshu Anhänger, die in der Kikyoshiki Zeremonie ihre Zugehörigkeit zur Tradition beteuert haben und die Laienordination erhielten. Es gibt aber auch die vielen Freunde anderer Traditionen und jene Freunde, die nicht Buddhisten sind. Wenn wir also von Sangha sprechen, reden wir von einer grossen Gemeinschaft und doch sind es nur wenige, die sich aktiv beteiligen. Wenn wir mal den ordinierten Sangha ausnehmen, dessen Einbringen Überzeugung, Ehre und Verpflichtung gegenüber unserer Tradition ist.

Sind Zenshu und Jodo Shinshu miteinander vereinbar?

Alle Schulen die Shakyamuni Buddha zum Lehrer haben sind Geschwister. Zen und Shinshu stehen sich besonders nah und weisen viele Paralellen auf. Und doch - Zenshu ist für Menschen, die ein hohes Maß an Diziplin aufbringen können. Die gewillt sind, dem Meister (Roshi) bedingungslos zu vertrauen und seinen/ihren Anweisungen zu folgen. Es ist für Menschen, die auch körperliche Anstrengungen auf sich nehmen können und ein ernsthaftes Durchhaltevermögen besitzen. Zen ist ein sehr edler Weg, der aber auch für sich die Eingerichtetheit/den Fokus auf diese eine Methode verlangt. Darin sind sich Zen und Shinshu einig. In Shinshu werden die vorgenannten Eigenschaften und Voraussetzungen nicht verlangt, wobei die Bereitschaft zu Vertrauen auch eine sehr wichtige Rolle spielt. So betrachtet ist Shinshu vermeintlich einfacher. Aber nur oberflächlich betrachtet, denn wer findet es nicht schwierig, sich einfach hinzugeben, nur zu vertrauen und sich retten zu lassen? Somit sind beide Wege sehr effektiv und zielführend, warum aber glaubt man, dass wenn man das Eine schon nicht hinbekommt, das Andere oder beides zusammen einfacher wäre? Der Buddha hat viele Wege und Methoden gelehrt. Jeder muss das Passende für sich selber finden und dann ist das Dabeibleiben sicher keine Frage mehr. Mit Gassho und Respekt

Namo Amida Butsu

Namo Amida Butsu
Namo bedeutet, ich nehme Zuflucht oder gebe mich hin oder auch verehre. Man könnte auch sagen, ich verlasse mich. 
Amida bedeutet, A-mita= nicht zu messen, also unermesslich, nicht zu erfassen oder zu begreifen.
Butsu bedeutet natürlich Buddha, was nichts anderes bedeutet, als die Erleuchtung oder jemand, der Erleuchtung verwirklicht hat.
Wenn wir also über Namo Amida Butsu nachdenken, heisst es übersetzt: Ich nehme Zuflucht und gebe mich hin, dem, was ich nicht erfassen kann, was jenseits meiner Fähigkeiten liegt und das ist die Befreiung oder eben Erleuchtung. Da wir es nicht erfassen können, nicht begreifen, geschweige dann umsetzen können, deshalb gibt es Namo Amida Butsu. Der Name, der zu uns kommt und so einfach ist, dass jeder ihn behalten kann. Das Nicht-Messbare in 6 chinesischen Zeichen, getragen vom Lotus, mehr braucht es nicht, um dem Vertrauen und somit der Erleuchtung ganz nah zu kommen. Wenn jetzt jemand einwendet, dass dies aber keinen Sinn macht; nun schon Shinran Shonin erwähnte, dass dies alles unseren Verstand schlichtweg übersteigt. Na ja, sonst wären wir ja auch schon Buddha und bräuchten das Nembutsu überhaupt nicht. 😌

Vortrag von Rev. Nottelmann

Ich möchte euch hier ein paar Gedanken über das Sterben mitteilen. Herr Beeh, der die Zen-Gruppe des EKO-Tempels leitet, betont immer wieder, dass es in der Zen-Meditation einzig und allein darum gehe, das rechte Sterben zu lernen, oder genauer gesagt, zu erfahren. Man muss aufhören, Leben und Tod als zwei Seiten zu betrachten, beides ist ein und dasselbe, und je mehr man dies versteht, umso tiefer ist der Friede, den man im Herzen erreichen kann. Solange man gegen das Sterben und den Tod ankämpft, hat man Unfrieden, denn man möchte die Welt ja anders haben als sie ist, und diesen Kampf kann man am Ende nur verlieren. Wenn man aber versteht, dass der Tod immer schon da ist, und zwar nicht als Feind, sondern als Freund, dann erst wir das Leben frei. SHŌJI SOKU NEHAN – Samsara (Leben und Tod) ist Nirwana. Das ist ein Ziel, um das sich alle Buddhisten bemühen.
Für den Reines-Land-Buddhismus und alle mit ihm zusammengehörenden Richtungen sind vor allem das Sterben und der Tod selbst von großem Interesse. Im tibetischen Buddhismus gibt es die „Phowa-Praxis“ (leider ist dieses Wort in Japan durch den Aumshinrikyo-Vorfall in Misskredit geraten). Es handelt sich um eine Anleitung für Sterbende, in der Zeit des nahenden Todes den Buddha Amitābha zu visualisieren und sich vorzustellen, wie man durch den Scheitelpunkt im Augenblick des Todes den Körper verlässt und zu Amitābha emporgezogen wird.
Shinran Shōnin hat im Saihō shinanshō, seinem fast vergessenen Spätwerk, von dem Prof. Arai jüngst die erste Übersetzung ins moderne Japanisch veröffentlicht hat, eine Predigt seines Lehrers Hōnen überliefert, die sich mit dem Thema auseinandersetzt. Auch Hōnen ist kein Verächter der visuellen Vorstellungskraft des Menschen, für ihn ist die bildliche Darstellung wichtig. Am karmisch verdienstvollsten, d.h. am nützlichsten für den Übenden, sind für Hōnen die Amida-Darstellungen, die ihn mit goldener Körperfarbe und in der Pose des Empfangs zeigen (so wie etwa die Statue im EKO-Tempel oder die Bilder auf kleineren Shin-buddhistischen Buddhaaltären). Buddhas anderer Körperfarbe, wie man sie auf den Mandalas des Esoterischen Buddhismus sieht, seien nur transformierte Buddhas, d.h. es sind für die Umstände der fühlenden Wesen angepasste Formen des Buddha, aber nicht letztendliche Buddhas (Buddhas in ihrer wahren Gestalt). 
 Hōnen erörtert dann – immer gestützt auf buddhistische Schriften – wie im Augenblick des Sterbens, je nach dem spirituellen Grad, den der Sterbende erreicht hat, unterschiedliche Visionen vor dem Auge des Sterbenden erscheinen. Die am höchsten entwickelten Wesen sehen den wahren Buddha umgeben von unzähligen transformierten Buddhas, die Wesen der zweiten Stufe (von oben) sehen nur noch 1000 transformierte Buddhas an der Seite des wahren Buddha, usw. bis zu den Wesen der achten Stufe, die nur noch relativ kleine Visionen von zwei Bodhisattvas (Avalokiteshvara und Mahasthamaprapta) und dem Buddha haben. Die Wesen der neunten Stufe, d.h. die niedrigsten Anhänger des Buddha, sehen nur noch die goldene Lotosblume, die sie dann ins Reine Land trägt. So jedenfalls, nach Hōnen, die direkte Bedeutung der Schriften.
Warum kommt der Buddha zum Empfang des Sterbenden? Hierfür gibt es nach Hōnen drei Gründe: Er kommt, 1. um dem Sterbenden die Rechte Achtsamkeit zu geben und auf diese Weise zu beschützen, 2. um ihm den Weg ins Reine Land zu weisen, 3. als Gegenmittel gegen die Kraft des Mara.
Der erste Punkt ist am wichtigsten und stimmt mit dem dritten weitgehend überein. Ich möchte das Saihō shinanshō direkt zitieren:
„Erstens, kommt er zum Empfang, um uns die Rechte Achtsamkeit zu geben. Wenn wir es uns überlegen, so sind wir, wenn wir sterben müssen, von Krankheit und Leiden bedrängt, und sicherlich kommen uns anhaftende Gedanken in dreifacher Hinsicht: wir haften an der Welt, diesem Körper und diesem Leben. Aber wenn der Buddha Amida seinen großen Lichtglanz entsendet und vor dem Übenden erscheint, so ist das ein so unvorstellbares Ereignis, dass gar kein anderer Gedanke als der der Zufluchtnahme und Ehrfurcht entstehen kann. Die drei anhaftenden Gedanken verflüchtigen sich und tauchen nicht mehr auf. Ferner nähert sich der Buddha so dem Übenden und gewährt ihm seinen Schutz.“
Noch deutlicher wird Hōnen weiter unten. Ich war selbst überrascht als ich diesen Text das erste Mal las, nie war mir so deutlich erklärt worden, was Befreiung aus Fremdkraft bedeutet:
„Folglich ist klar, dass Amida nicht kommt, weil der Übende am Ende seines Lebens rechte Achtsamkeit praktiziert, sondern der Übende praktiziert rechte Achtsamkeit, weil Amida kommt. D.h. Menschen, die die zur Hingeburt führenden Übung vollendet haben, während sie in dieser Welt leben, werden am Ende ihres Lebens sicherlich von einer Schar Heiliger empfangen werden. Wenn sie empfangen werden, ist die rechte Achtsamkeit sofort da.“
Der Nembutsu-Übenden erbringt also keine Vorleistung, er muss sich nicht aus eigener Kraft für die Hingeburt „startklar“ machen; sondern gerade das ist die Bedeutung des Empfangs, Amida erbringt die „Vorleistung“.
Mit der zur Hingeburt führenden Übung, ist übrigens das Nembutsu im Vertrauen auf das 18. Gelübde gemeint, das Shinran im Shōshinge anspricht: 
本願名号正定業HON-GAN MYŌ-GŌ SHŌ-JŌ-GŌ
„Der Namensruf, der nach dem Grundgelübde [von Amida selbst ausgeht], ist das Karma, das [die Geburt in sein Reines Land] wahrhaft sichert.“
Dabei ist das, was in meiner üppigen ergänzten Übersetzung, mit „wahrhaft sichert“ SHŌ-JŌ übersetzt wird, zugleich das achte Glied des Achtfachen Pfades, die „Rechte Festigung“ oder auch „Rechte Sammlung“, nach dem man die Shin-Buddhisten ja immer wieder fragt. „Sammlung“ bedeutet nämlich, dem Herz „Festigung“ (samādhi) zu geben. Spätestens im Augenblick des Todes schenkt Amida dem Nembutsu-Übenden diese zwei wichtigen Glieder des Achtfachen Pfades: „ Rechte Achtsamkeit“ und „Rechte Sammlung“.
Dieser Text hat nicht nur sehr lehrreich für uns selbst und unser Verhältnis zum Tod, sondern auch für unseren Umgang mit Sterbenden. Von Menschen, die eine Nahtoderfahrung genacht haben, ist immer wieder bezeugt worden, dass sie ein helles Licht sahen, ganz ähnlich wie die in diesen Texten beschriebene „goldene Lotosblume“. Wir sollten deshalb nicht so pessimistisch sein, wenn Menschen in ihrem Leben die buddhistische Lehre nicht kennengelernt haben oder gar Vorbehalte dagegen haben. Wir sollten einen Sterbenden nicht bekehren wollen, insofern sollte wir auf zu explizite Symbole und Zeremonien des Buddhismus verzichten. Nur Menschen, die gleichermaßen Buddhisten und zum Sterben bereit sind, finden darin eine zusätzliche Unterstützung. Bei allen anderen erzeugt man auf diese Weise bloß Zweifel bzw. Angst, also negative Geistesfaktoren. Lassen wir den Buddha einfach seine Arbeit tun!
Guter Freund im Sinne des Buddhismus ist man aber, indem man versucht dieses Ereignis der Hingeburt „auszustrahlen“. Menschen reagieren nicht nur auf ausgesprochene Gedanken, sondern vor allem auch auf non-verbale Signale. Man kann versuchen, den Geist des Sterbenden auf lichtvolle Dinge hinzuwenden. Vor allem kann man sich in seinem Herzen auch das Bild vom Empfang durch den Buddha vorzustellen, und anstelle des Sterbenden das Nembutsu rezitieren. Wir sollten uns nicht schämen, dies zu tun. Wir erbringen dadurch keine „Vorleistung“ oder vollziehen etwas für den Sterbenden, sondern wir begleiten einfach mit unseren Gedanken das, was gerade geschieht. Dadurch verneigen wir uns vor großen Lehrern wie Hōnen und üben das Nembutsu. Weil wir aber das Nembutsu üben, gleichsam in Resonanz zum Ruf des Buddha Amida geraten, geben wir dem Sterbenden eine weitere Möglichkeit, das Nembutsu zu hören.